Sonntag, 6. Februar 2011

Reise in den Norden Kameruns

Unser zweiwöchiger Urlaub im Norden Kameruns beginnt. Gleich nach Weihnachten starten wir, denn die Trockenzeit im Januar ist eine gute Reisezeit. Die Straßen sind befahrbar und es ist im Norden noch nicht zu heiß.

Mittwoch, 29.12.2010
Ruth, Brigitte und ich starten bepackt mit Rucksäcken um zwölf Uhr von unserem Haus in Richtung Bamenda. Um drei Uhr kommen wir endlich in Kumbo los. Die Fahrt nach Bamenda habe ich schon einmal in einem Bericht beschrieben, allerdings haben wir jetzt einen ältern, größeren und dadurch wesentlich langsameren Bus als sonst erwischt. Wir werden von allen anderen Fahrzeugen überholt und hoffen, noch rechtzeitig in Bamenda zu sein, um den Nachtbus nach Jaunde zu bekommen.
Die Straße ist, wie schon einmal erwähnt, sehr staubig. Bei Abfahrt werden alle Fenster geschlossen. Erst nach einigen Diskussionen, wird klar, dass der Staub durch die Löcher im Boden und der Tür reinkommt und man besser die Fenster wieder aufmacht, sodass der Staub raus kann. Das ist allerdings auch nicht besser. Alle sitzen mit Tüchern vor Mund und Nase eingequetscht auf einem halben Sitzplatz und nach einiger Zeit sind wir so rot-braun, dass sich unsere Hautfarbe derer der Afrikaner angleicht.
In Bamenda wischen wir uns mit Taschentüchern den gröbsten Schmutz aus dem Gesicht und essen noch einen Teller Reis mit Bohnen. Es ist kein Problem den Nachtbus zu finden. Allerdings ist es ein ähnlich alter Kleinbus, sodass wir uns auf eine lange Weiterfahrt einstellen können. Bevor es losgeht betritt ein Prediger den Bus. Er erwähnt kurz, wie gefährlich die Straßen vor allem nachts seien, aber dass wir keine Angst haben müssen, jetzt bei einem Verkehrsunfall zu sterben, denn durch die Liebe Gottes würden wir alle in den Himmel kommen. Dann wird gebetet. Alle Kameruner beten mit! Und danach lässt sich der Prediger von fast allen etwas Geld zustecken.


Donnerstag, 30.12.2010
Um sechs Uhr morgens kommen wir in der Hauptstadt Kameruns, in Jaunde (frz. Yaoundé) an. Es ist angenehm warm und wir werden vom Bruder eines Freundes, Habib, der in Jaunde studiert und den wir in Kumbo kennen gelernt haben, abgeholt. Er nimmt uns mit in sein Haus nicht weit vom Busbahnhof, wo wir erst einmal Frühstück, Tee und Brot, bekommen. Er wohnt in einem Viertel, in dem überwiegend Banso wohnen (die Leute um Kumbo gehören dem Stamm der Banso an). Überall kann man auf Lamnso grüßen oder sich auf Englisch unterhalten, ein kleines Kumbo im französischen Jaunde. Das Viertel hat Häuser aus Lehmziegeln und Elektrizität, allerdings keine Kanalisation. Zwischen den Häusern schlängelt sich ein tiefer Graben. In dem grün-grauen Wasser tummeln sich kleine Fische zwischen den Plastiktüten und es richt nicht sehr angenehm.
Wir suchen uns ein günstiges Motel für die Nacht und haben dann Zeit Jaunde zu erkunden.
Jetzt ist es wahrscheinlich nicht sehr interessant zu schreiben, was mich beeindruckt hat. Wenn man nach einem halben Jahr afrikanischer Kleinstadt in das relativ europäische Jaunde kommt, bestaunt man natürlich ganz andere Dinge als ein aus Europa Kommender: Der viele Verkehr mit großen Autos, Bäckereinen und Supermärkte! Der Supermarkt in Jaunde ist echt eine Besichtigung wert: Käse und Wursttheken wie in Frankreich, Apfelsaft und Nutella. Aber letztendlich haben wir nur eine Flasche Wasser gekauft, denn man braucht eigentlich nichts von alledem. Nach einem Spaziergang durch das Zentrum Jaundes, vorbei am Hilton-Hotel und etlichen Ministerien (Kamerun hat über 40 Ministerien für alles Mögliche) und einer Besichtigung der Kathedrale haben wir so gut wie alle Sehenswürdigkeiten gesehen.


Abends machen wir etwas ganz Besonderes: Wir gehen Pizzaessen. In einer sehr europäisch eingerichteten Pizzeria mit mehreren Sicherheitsleuten vor der Tür gibt es Pizza mit Schinken und Pilzen. Es schmeckt gut. Allerdings haben wir danach alle ein schlechtes Gewissen, denn im Vergleich haben wir zu dritt mit 18 000 Francs (28€) das Monatsgehalt eines Angestellten in Kumbo oder das Schulgeld eines Kindes für ein ganzes Jahr gegessen.
Danach gehen wir zur Avenue Kennedy, der Prunkstraße Jaundes, die teilweise gesperrt ist für eine Art Jahrmarkt bzw. Musikshow. Der Eintritt beträgt 200 Franc und es gibt Eis, Crêpes, Werbe- und Verkaufsstände (z.B. mit den neusten Maggiprodukten). Wir können die kamerunischen Sänger life mit ihren Tänzerinnen genießen. So endet unser Abend in Jaunde, ein kleiner Ausflug in die europäische Konsumwelt.


Freitag, Silvester 31.12.2010
Wir müssen früh aufstehen, um die Fahrkarten für den Nachtzug in den Norden zu kaufen. Ein paar Zugfahrkarten zu kaufen, ist schon ein Ereignis. Der Bahnhof ist mit einem Zaun abgesperrt und mehrere Polizisten kontrollieren den Kartenverkauf. In Kleingruppen werden die Vordersten der langen Schlange in den Innenbereich des Zauns gelassen, wo man unter Vorzeigung seines Passes das Zugticket ausgestellt bekommt. Wir sind leider etwas zu spät, sodass wir statt der ersten die zweite Klasse nehmen müssen (10 000 Francs/ 15€).
Um vier Uhr treffen wir Mona und ihren Besuch aus Deutschland, Martin, mit welchen wir zusammen unsere Reise fortsetzten. Aber bevor es in den Zug geht, müssen wir noch Proviant für die Fahrt und Silvester einkaufen. Ausreichend Proviant sei wichtig, denn wie wir dem Reiseführer entnehmen, kann der Zug bis zu 48 Stunden Verspätung haben.
Dann kann es losgehen. Nachdem wir durch die Kontrollen durch sind und endlich unseren Wagen unter den vierzig Wagons gefunden haben, sind wir gespannt, dass es losgeht. Der Zug ist vorne und hinten mit einer Diesellokomotive ausgestattet und verkehrt jede Nacht zwischen Ngaoundéré im Norden und Jaunde. Ein anderer Zug startet gleichzeitig in Richtung Jaunde. Von den Deutschen begonnen, den Franzosen fertig gestellt und in den Achtzigern ausgebaut ist die Eisenbahnstrecke mit die einzige in Kamerun und gleichzeitig die einzig gute Verkehrsanbindung in den Norden.



Die zweite Klasse ist wirklich bequem. Man hat einen ganzen Sitz für sich und sogar eine Toilette gibt es im Zug. Unglaublich: Der Zug fährt pünktlich um 6:10Uhr ab. Auf die Minute genau! So etwas ist uns in Kamerun noch nicht passiert.
Durch die Slums Jaundes fährt der Zug gemächlich aus der Stadt hinaus in den Regenwald. Es wird dunkel. Ungefähr alle Stunde hält der Zug an einem Bahnhof, wo man dann schnell durchs Fenster seine Einkäufe erledigen kann: Bobolo (frz. Bâton, jenes in Bananenblätter gewickelte, gekochte Maniok), Bananen, Honig und sogar ganze Stühle werden auf den Köpfen der Frauen und Kinder am Fenster vorbei getragen.
So verbringen wir unser Silvester. Spätestens um 10 Uhr schläft der ganze Zug. Fünf Deutsche sitzen also wach in einem Wagen zwischen achtzig schlafenden Kamerunern und warten, dass es zwölf Uhr ist. Als es endlich soweit ist, öffne ich die vorher in Jaunde gekaufte Sektflasche. Eigentlich ist es eher eine Explosion (vielleicht durch die Temperaturen im Regenwald und das Ruckeln einer 30 Jahre alten Eisenbahn bedingt). Jedenfalls haben der herumsprühende Sekt und der Knall zur Folge, dass unsere bisher schlafenden Mitfahrer den Beginn des Neuen Jahres nicht verpassen.


Samstag, 01.01.2011
Nach der morgendlichen Fahrt durch die Steppenlandschaft des Nordens, kommen wir glücklicherweise um acht Uhr ohne Verspätung in Ngaoundéré an. Es ist wie in einer anderen Welt. Schon auf der Fahrt wurden die grünen Hügel und Bananenbäume durch trockene, Grasflächen abgelöst. Vereinzelt sieht man Bäume, Rinderherden oder den Schatten eines Affen im Gebüsch.
Ngaoundéré soll sehr schön sein und so wollen wir eine Nacht hier verbringen. Bei der Suche nach einem Hotel verlassen wir uns auf den Reiseführer. Das angegebene Hotel gibt es nicht, jedenfalls nicht da, wo es in der Karte eingezeichnet ist, dafür ein kleines Motel. Der Standard ist wahrscheinlich nicht das, was man in Europa vorfinden würde, aber immerhin gibt es einen Duschkopf und fließendes Wasser. Das kann man in unserem Haus in Kumbo nicht finden, denn wegen Trockenzeit gibt’s Wasser nur einmal kurz am Tag, sodass man geradeso zwei Eimer auffüllen kann. (Man kann sich aber auch mit 3 Liter Wasser komplett waschen.)
Nach einer Dusche also erkunden wir Ngaoundéré. Die Straßen sind nicht so staubig wie in Kumbo, weil der Boden sehr sandig ist und außerdem die Hauptstraßen geteert sind. Was besonders bemerkenswert ist, dass die Stadt viel sauberer ist als wir es vom restlichen Kamerun gewöhnt sind, wenige schmeißen ihren Müll und Plastiktüten einfach so auf die Straße. Es gibt Mülleimer und Müllabfuhr! Wir werden sogar von einem Straßenkehrer freundlich gebeten ein Stück zur Seite zu treten, sodass er kehren kann. Das Thermometer zeigt 38°C.
Man erlebt ein orientalisches Flair. Die meisten Menschen gehören dem Stamm der Fulani an. Das ist eine der größten ethnischen Gruppen in Kamerun, welche die Sprache Fulfulbe spricht. Man erkennt sie vor allem an ihrem schlanken Körperbau und feinen Gesichtszügen, außerdem sind sie Moslems und tragen muslimische Gewänder. Viele Moscheen prägen das Stadtbild.



Zum Mittagessen finden wir ein kleines „Restaurant“, rote Bohnen und Baguette. Danach wollen wir den Palast des Lamido besichtigen. Der Lamido ist hier im Norden so etwas wie der Fon in Kumbo, also der Fürst/König und traditionelles Oberhaupt einer Region. Ihm würde soviel Respekt entgegengebracht werden, dass sich die Männer von ihm in die Hände spucken lassen und sich das Gesicht damit einreiben.
Hier weiß man schon, wie man mit Touristen umgehen muss. Nachdem wir den Eintritt bezahlt haben, werden wir durch die traditionellen Gebäude des Palastes geführt. Die Wände sind sehr schön bemalt und die Dächer aus Gras. Wir bekommen erklärt, was an den einzelnen Orten passiert beziehungsweise geschehen war. So auch über die Sklaven, die der Lamido in früheren Zeiten als Kriegsgefangene hatte und an Sklavenhändler weiterverkaufte. Oder wir sehen die Schilde aus gegerbten Elefantenohren, die man zur Verteidigung nutzte.


Wir treffen auch den gegenwärtig achtzehnten Lamido von Ngaoundéré Mohamadou Hayatou Issa, der in einem weißen Gewand mit einem Handy am Ohr vor einem Gebäude sitzt. Die neuen Palastgebäude, in denen er wohnt, und palasteigene Moschee dürfen wir nicht besichtigen.
Am Abend ist auf den Straßen viel los, denn es ist Neujahr. Wenn Silvester auch nicht gefeiert wird, so sieht man heute alle Bars und Restaurants gut gefüllt. Dort wo wir zu Abend essen, bekomme ich kein Bier – muslimisch eben. Aber in der Bar nebenan sitzen ungefähr genauso viele Moslems wie Christen und feiern das Neue Jahr mit reichlich Bier.


Sonntag, 02.01.2011
Früh morgens versuchen wir in Ngaoundéré ein Auto zu finden, da wir den Benoué-Nationalpark besuchen möchten. Wir wissen nur, dass er existiert, aber nicht wie man hinkommt. In Ngaoundéré scheinen alle zu wissen wie man irgendwo hinkommt, aber es ist nicht klar, ob es auch der Benoué-Park ist. Schließlich finden wir jemanden, der uns mit einem Auto fahren will. Es ist schwierig auf Französisch zu verhandeln. Der Preis liegt bei 40000 Francs, was uns viel zu teuer erscheint. Wir beschließen also mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis zum Eingang des Parks zu fahren. Dort ist auf der Karte als großer Punkt eine Stadt namens Banda eingezeichnet, wo man schon jemanden finden wird, der uns in den Park fährt. Gesagt, getan. Während wir warten, dass der Bus voll ist, trinken wir unseren ersten Joghurt! Die meisten Fulani leben nämlich von der Rinderzucht und wissen deshalb auch, dass man Milch trinken und daraus Jogurt machen kann.

Als wir in Banda ankommen, sehen wir allerdings, dass es eine „Stadt“ von vielleicht dreißig Lehmhütten ist, in der es kein einziges Auto geschweige denn ein Taxi zu geben scheint. Unser Plan günstig von Banda aus in den Park fahren zu können scheint also nicht aufzugehen.

Sobald wir da sind, kommen aber drei Motorradfahrer angefahren, die uns mitnehmen wollen, allerdings für 60000 Francs! Das ist in unserer Reisekasse nicht eingeplant. Als sie sich auch nach mehreren Gesprächen nur auch 58000 runterhandeln ließen und wir uns in der „Stadt“ erkundigt haben, ob es nur diese eine Möglichkeit gibt in den Park zu kommen, entscheiden wir den nächsten Bus anzuhalten und weiter in Richtung Norden zu fahren. Zu unserer Überraschung fahren sie wieder weg.

Wir setzten uns also an die Straße, beschäftigen uns mit den Kindern und warten. Nach einer halben Stunde kommt einer der Motorradfahrer wieder zurück und sagt, dass er uns, weil wir Freiwillige sind usw., für 30000 fahren würde, was wir dann auch machen. Die Motorradfahrer sind wieder da, wahrscheinlich hatten sie Angst, dass wir doch einen Bus nehmen könnten.

Auf den dreißig Kilometern in den Park hinein sehen wir die ersten Antilopen und Affen. Das Camp ist wirklich sehr schön gelegen, direkt an einem Fluss, der nur noch ein größerer Bach ist und auf dessen ausgetrocknetem Sandbett man Paviane beobachten kann.



Wir unternehmen einen Spaziergang um das Camp herum und können schon die ersten Spuren von Elefanten ausmachen.


Montag, 03.01.2011

Morgens soll es eigentlich um sechs Uhr Frühstück geben, damit wir mit dem Sonnenaufgang losgehen können. Das klappt aber nicht ganz. Also starten wir um sieben Uhr mit unserem Führer. Die Wege durch den Park legen wir zu Fuß zurück. Wir laufen etwas flussabwärts. Auf dem Weg sehen wir die ersten Paviane in den Bäumen, Fußspuren von Flusspferden, schwarzen Büffeln und Hyänen. Schließlich erreichen wir eine kleine Anhöhe am Ufer des Flusses, von welcher wir einen guten Ausblick haben. Die aufgehende Sonne durchdringt die Nebelschwaden auf der Wasseroberfläche, zwischen welchen wir die Köpfe der Flusspferde ausmachen. Wir können sogar bis zum Ufer hinunter gehen und sie aus nächster Nähe betrachten. Sie bleiben nämlich vorerst im Wasser. Nachts würden die Flusspferde das Wasser verlassen und bis zu 20 Kilometer laufen um zu fressen. Um drei oder vier Uhr gingen sie zurück ins Wasser, weil es draußen zu kalt ist. So oder so ähnlich erklärt unser Führer es auf Französisch.

Wir gehen zwei Kilometer weiter, weil es dort eine zweite Familie gibt. Eine solche besteht aus einem Bullen und mehreren Weibchen mit ihren Kindern. Wir sitzen auf einer Felszunge mitten im Fluss und können außerdem jede Menge bunte Vögel beobachten. Auch wir werden beobachtet durch eine Paviankolonie, die sich am anderen Flussufer aufhält und deren Mitglieder neugierig immer näher kommen.




Die Flusspferde verlassen nacheinander das Wasser, um sich auf einer Sandbank zu sonnen, und das mit einer Langsamkeit, die man sich nicht vorstellen kann. Man könnte stundenlang so sitzen bleiben und die Natur beobachten, wenn die Sonne nicht immer heißer werden würde.

Zurück bei der ersten Flusspferdfamilie sehen wir jetzt auch drei Krokodile, die sich ab zehn Uhr hier sonnen.



Nach einer Pause und einem kleinen Mittagsschlaf geht es um drei Uhr weiter. Wir wollen schließlich endlich die Elefanten, Giraffen und Hyänen sehen. Aber zu Fuß muss man schon etwas Glück haben. Und so kommen wir um sechs Uhr wieder im Camp an. Wir haben viele Antilopen, Termitenhügel und die Fußspuren der Tiere, die sonst noch hier leben, gesehen. Aber wir werden ja noch einen Park besuchen.



Dienstag, 04.01.2011

Am Morgen lassen wir uns früh wieder aus dem Park herausfahren und können an der Straße auch gleich einen relativ leeren Bus in Richtung Garoua anhalten. Es fällt uns auf, dass man in den Bussen im Norden viel mehr Platz hat und die Straßen sowieso viel besser sind. Das hängt damit zusammen, dass der erste der zwei kamerunischen Präsidenten aus dem Norden kam. In Garoua, der drittgrößten Stadt Kameruns, müssen wir umsteigen, da wir heute noch weiter nach Maroua im äußersten Norden Kameruns wollen. Die Zeit reicht für ein kleines Mittagessen und dann geht es schon weiter. Die Landschaft wird immer trockener. In den Flüssen befindet sich gar kein Wasser mehr. Unterwegs gibt es auch ganz andere Dinge zu kaufen, so zum Beispiel Cracker aus karamellisiertem Sesam und die Früchte des Baobab/Affenbrotbaumes.


Baumwollernte am Straßenrand


In Maroua angekommen, werden wir gleich vor dem Bus von einem Mann angesprochen, der sich als Organisator für Ausflüge ausgibt. Und tatsächlich wird sein Name auch im Reiseführer empfohlen. Wir lassen uns ein günstiges Hotel zeigen und treffen uns dann mit ihm um sein Angebot zu hören. Da wir nicht mehr so viel Zeit für Experimente haben und er vertrauenswürdig klingt, gehen wir auf den Vorschlag ein, für zwei Tage ein Auto mit Fahrer zu mieten, der uns in den Waza-Nationalpark fährt.

Zum Abendessen gibt es hier oben im Norden auch ganz andere Dinge als in Kumbo, zum Beispiel Couscous de Riz (Reis-Fufu) und man trinkt schwarzen Tee gewürzt mit Nelken.

Wir essen Fisch mit Salat(!). Als wir fertig sind werden unsere Teller von Kindern abgeräumt. Die gehören wohl zu der Fischverkäuferin und gehen ihr etwas zu Hand. Aber nein, die Kinder setzten sich etwas abseits unter den Baum und zerkauen die Fischgräten bevor sie die Teller ablecken. Es wird uns noch öfters auffallen, dass man hier viele bettelnde Kinder antrifft. Anders als im Süden gibt es nicht so viele Nahrungsmittel, was durch die lange Trockenzeit hervorgerufen wird. Wir befinden uns nämlich schon in der Sahelzone. Und natürlich schafft es ein Land wie Kamerun nicht die Bananen aus dem Süden in den Norden zu bringen.


Mittwoch, 05.01.2011

Der Fahrer, ein lustiger älterer Moslem, ist pünktlich um sechs Uhr am Hotel. Nach einmal Volltanken und dem Einkaufen von ausreichend Proviant, geht es weiter in den Norden. Westlich der Straße sehen wir die Berge, welche schon zu Nigeria gehören und östlich soll die Grenze zum Tschad beginnen. Auf dem Weg begegnen uns auch viele überladene Lastwagen auf dem Weg in den Tschad und Motorräder, die jeweils 4 Kanister günstigen Benzins aus Nigeria nach Maroua transportieren.

Nach zwei Stunden erreichen wir Waza. Direkt am Eingang des Parks gibt es ein Camp aus kleinen Rundhütten, in die geradeso ein Doppelbett passt. Wir beziehen unsere Hütten und dann geht es auch schon los in den Park. Auf der Ladefläche unseres Pickup stehend kann man besonders gut in die weite Savannenlandschaft des Parks sehen. Viele Vogel- und Antilopenarten kreuzen unseren Weg und irgendwann können wir auch die ersten Giraffen ausmachen. Wahnsinn! Wir können aussteigen und nahe herangehen.




Um den Sonnenuntergang zu beobachten, klettern wir auf den kleinen Berg neben dem Camp. Man hat einen wunderschönen Ausblick über den Waza-Park, allerdings versinkt die große afrikanische Sonne eher im Staub, der in der Luft ist, als im Horizont. Nach einem Abendessen aus Reis-Fufu und Huhn in Soße von getrocknetem Okra gehen wir noch auf einen Tee in die Stadt Waza.



Donnerstag, 06.01.2011

Früh nach Sonnenaufgang fahren wir in den Park. Wieder sehen wir viele Antilopen und Giraffen, aber auch Warzenschweine und Strauße bewegen sich zwischen den Gräsern. Die Weite Steppe ist einfach atemberaubend schön.



Wir fahren einmal quer durch den Park. Von den Elefanten fehlt allerdings jede Spur. Unser Führer, der vielleicht wissen sollte, wo wir sie finden können, tritt ein paar Mal auf die auf dem Weg liegenden Elefantenhaufen und erkennt fachmännisch, dass sie von gestern sind. So erreichen wir am späten Nachmittag wieder Maroua.

Doch all die anderen imposanten Tiere, Pflanzen und Landschaften, die wir im Waza-Park sehen durften, lassen vergessen, dass wir auch hier keinen Elefanten zu Gesicht bekamen.


Freitag, 07.01.2011

Den Tag wollen wir entspannt angehen. Wir schlendern durch die Stadt und überqueren auch den Fluss, der durch Maroua fließt. Überqueren ist vielleicht zu viel gesagt, denn ein Brett ist ausreichend, um heil über die im Flussbett zurückgebliebenen Pfützen zu kommen. Aber tatsächlich waschen sich in diesen grünen Pfützen die Menschen, die keinen Zugang zu sauberen Wasser haben. Kein Wunder also, dass hier vergangenen Herbst die Cholera ausgebrochen ist.



Wir gehen zum großen Markt. Hier gibt es Dinge, wie Datteln, CDs mit arabischer Musik und Schlangenleder zu kaufen, auch das Angebot der Schneider ist anders als im Süden. Vieles ist wohl aus über den Tschad aus dem Nahen Osten hierher gekommen.

Dann begleiten wir Mona und Martin zum Bus. Die fahren nämlich schon heute zurück, weil Mona am Montag wieder im Krankenhaus arbeiten muss.

Wir drei wollen aber noch etwas zu sehen:


Samstag, 08.01.2011

Roumsiki ist ein Dorf in den Bergen bei Maroua, etwa 2 Stunden mit dem Auto entfernt. Es wird im Reiseführer als ein für Touristen sehrschöner Ort beschreiben, wegen der Felskegel, die vulkanischen Ursprungs sind. Wir haben uns wieder ein Auto gemietet, einen Führer arrangiert und dann geht es früh morgens los. Es fängt damit an, dass wir auf der Hinfahrt ein Schaf überfahren, das wirklich sehr dumm war und nicht am Straßenrand warten konnte. Aber das sind die Nachteile, wenn eine Straße asphaltiert ist und man 100km/h fahren kann. In Roumsiki angekommen, wandern wir durch das Tal mit den berühmten Felskegeln. Sie sind wirklich schön.




Nach einer Stunde sind wir schon fertig. Eigentlich haben wir mehr erwartet und unser vielleicht zwanzigjähriger Führer gibt sich auch keine Mühe weder auf Englisch, noch Französisch, noch Deutsch, was er ebenso ein bisschen sprechen kann, uns etwas zu erklären, zum Beispiel über die religiöse Bedeutung der Berge. Stattdessen werden wir von einer „Touristenattraktion“ zur Nächsten geführt, wo man sieht wie die Dorfbewohner Baumwolle spinnen, Kunsthandwerk herstellen, wie Holzflöten oder Tongefäße. Dabei fällt auf, wie sehr es darauf ausgelegt ist, an das Geld der Touristen zu kommen. Die Armut wird Zur Schau gestellt. Die Menschen tragen dreckigere Kleider, als in jedem anderen von mir gesehen Dorf in Kamerun, obwohl sie durch die Touristen wahrscheinlich viel mehr Geld haben. Alle Kinder strecken die Hände aus und rufen „Cadeau, Cadeau“ (Geschenk). Eines möchte von uns fünf Euro gewechselt haben (das sind 3000 Francs!). Wir fühlen uns unwohl und wollen so schnell wie möglich wieder weg. Von der Herzlichkeit, die man sonst in Kamerun entgegengebracht bekommt, ist nichts zu spüren.

Wir gehen noch beim Krabbenmagier vorbei. Für 1000 Francs kann man sich hier die Zukunft voraussagen lassen. Ein alter Mann sitzt vor seiner Rundhütte. Nachdem wir eine Frage gestellt haben, werden kleine Stöcke in einer mit Sand gefüllten Tonschale arrangiert. Dann wird eine Süßwasserkrabbe vom Magier besprochen, bespuckt und ans Ohr gehalten, bevor er sie auch in die Schale setzt und diese mit einem Deckel verschließt. Die Krabbe arbeitet jetzt. Aus der Lage der Stöcke kann der Magier anschließend die Zukunft lesen. Es ist zwar ganz lustig, aber auch hier wird deutlich, wie sehr es auf die Touristen abzielt.

Nach einer Schale Hirsebier, das hier traditionell gebraut wird, machen wir uns also schnell auf den Weg zurück nach Ngaoundéré.



Sonntag, 09.01.2011

Entspannt machen wir uns auf die Heimreise. Der große Reisebus fährt von Maroua durch bis nach Ngaoundéré. Immer wieder hält er an, um die muslimischen Gebetszeiten einzuhalten. Dann strömen fast alle zur nächsten Moschee, waschen sich und beten bevor es weitergehen kann.


Montag, 10.01.2011

Morgens stehen wir wieder früh auf, um die Karten für den Zug zu kaufen. Der Kartenverkauf hier ist etwas entspannter, weil nicht allzu viele Leute Karten kaufen wollen, aber trotzdem wird alles streng von Polizisten geregelt. Als wir die Karten haben, gehen wir vor dem Bahnhofsgebäude frühstücken, Reis mit Soße und Baguette, trinken einen Kaffee und beobachten die Ankunft des Zuges aus Jaunde.

Und dann müssen wir noch den Tag herumbringen. Wir schlendern über den großen Markt in Ngaoundéré und probieren alle Bars in der Nähe des Marktes mal aus. In einer dieser Bars sitzen wir bei einem Topampelmous (so etwas wie Limonade). Am Nachbartisch ist ein ziemlich betrunkener Mann, der mittags um drei Uhr nicht mehr ganz grade sitzen kann. Dieser fängt irgendwann an, durch unsere Anwesenheit angeregt, lauthals auf Französisch Beschimpfungen von sich zu geben. (Es ist gut, wenn man wenigstens ein paar Schimpfwörter in Französisch weiß.) Er brüllt ungefähr folgendes: „Die Sarkozy-Freunde, diese Franzosen sollen unser Land verlassen. Die Arschlöcher haben hier nichts zu suchen! Die alle wollen uns beklauen.“ Solange er still sitzt und noch ein paar Männer zwischen uns sitzen, trinken wir ruhig weiter und tun so als würden wir nichts verstehen. Irgendwann merkt er, dass wir keine Franzosen sind und wiederholt in einem Fort das wohl einzig deutsche Wort, das er kennt: „Schwein“. Als er schließlich selbstständig ein Motorradtaxi angehalten hat und weggefahren ist, werfen uns die übrigen Kameruner freundliche, peinlich berührte Blicke zu, in der Hoffnung, dass wir wirklich nichts verstanden haben. Was würde sich wohl ein schwarzer Ausländer von einem betrunkenen Deutschen anhören dürfen?

Während wir am Bahnhof auf den Zug warten, gesellt sich eine Fußballmannschaft zu uns. Die Jungs spielen in einem Fußballteam in Jaunde und sind auf der Heimreise von einem Spiel.

Sie setzten sich einfach um uns herum und versuchen mit ein paar Brocken Englisch unsere Handynummern zu bekommen. Das Interesse liegt nicht nur in den weißen Frauen begründet, sondern auch ich könnte zum Beispiel jemanden in die Deutsch Bundesliga vermitteln (weil gerade ich so gute Kontakte habe).

Im Zug wird der Abend recht lustig. Wir bringen den Jungs Kartenspielen bei und bekommen von ihnen Photos ihrer Kinder gezeigt.

Dienstag, 11.01.2011

Auch diesmal kommt der Zug pünktlich in Jaunde an. Wir bekommen problemlos einen Bus nach Bamenda und von da aus nach Kumbo. Und so kommen wir trotz Reifenpanne um acht Uhr abends zu hause an, wo wir zwar kein Wasser zum Waschen haben. Aber dafür empfängt uns Jean-Baptiste mit einem leckeren Abendessen.


Es ist wirklich schwer zu glauben, dass wir nur zwei Wochen unterwegs waren. So viel Neues und Schönes, was wir in diesem anderen Teil Kameruns gesehen haben. Wir lernen Kamerun als ein extrem vielseitiges Land kennen, das seinem Beinamen „Afrique en miniature“ alle Ehre macht.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Weihnachten in Kamerun

Das ist etwas ganz anderes als man es von Europa her gewohnt ist. Die gesamte Adventszeit ist nichts davon zu merken, dass allmählich Weihnachten und das Jahresende näher rücken. Die Trockenzeit bestimmt das Wetter in Kumbo. Das heißt blauer Himmel, heiße Sonne, kalte Nächte und Staub! Eine Motorradfahrt durch Kumbo und man ist von Kopf bis Fuß eingestaubt.

Wir versuchen trotzdem in unserem Haus etwas von der heimatlichen Adventsstimmung aufkommen zu lassen. Wir haben einen Adventskranz, Räucherkerzen aus Deutschland und backen ganz viele Plätzchen. Das ist etwas, was den Kamerunern ausnahmsweise mal schmeckt und so sind, egal wie viel Plätzchen wir backen, alle nach ein paar Tagen aufgegessen.
Hier ein paar Bilder vom Backen beziehungsweise Essen:





Dieses Bild zeigt uns während des Lamnso-Unterrichts. Wir treffen uns nämlich einmal pro Woche mit unserem Freund Jean-Baptiste und versuchen die in Kumbo gesprochene Sprache Lamnso zu lernen, was allerdings gar nicht so einfach ist. Zum einen hat er selbst nie die Grammatik gelernt und kann manche Sachen nur erklären, dass es anders nicht gut klänge. Zum anderen ist es eine völlig andere Sprache, die man mit keiner europäischen vergleichen kann. Viel wird auch durch für uns schwer zu differenzierende Laute unterschieden. So gibt es z.B. die Wörter Kimbàŋ (Weißer Mann), Kibán (Fufu), Kibàn (Hut), Kibam (Tasche) und Kimbà (Schüssel).

Oder baa (zwei) und baà (Vater).


Am Markttag, drei Tage vor Weihnachten, kann man dann kleine Plastikweihnachtsbäume oder blinkende Lichterketten erstehen. Das sind die einzigen Hinweise darauf, dass bald der 25. Dezember ist.
Den Heiligen Abend wollen wir gemütlich mit Mona in unserm Haus feiern. Dazu gehören allerdings ein paar Vorbereitungen, zum Beispiel für das Weihnachtsessen. Geflügel kann man nur frisch, also lebend auf dem Markt erwerben. Wir haben aber vorgesorgt: Der Weihnachtsbraten wird schon seit Oktober kräftig von uns gefüttert. Er ist ein Hahn, heißt Ansgar und ist ein Geschenk von einem Häuptling aus dem Dorf namens Elak in Oku. Da man ein Geschenk nicht weiterverschenken sollte und wir ihn schließlich irgendwann essen müssen, scheint uns Weihnachten die beste Gelegenheit dafür.
Am Tag vorher heißt es also schlachten, rupfen, ausnehmen und marinieren. Die Füße sowie Kopf und Darm verschenken wir allerdings. (Auch wenn es laut Kamerunern das Beste am ganzen Huhn sein soll, passt es nicht ganz in unser Bild eines deutschen Weihnachtsbratens.) Das Menü lautet also wie folgt: Ansgar in Orangenschalen-Honig-Pfeffer-Whisky-Marinade mit Yams-Apfel-Füllung, dazu Gewürzrotkraut und Kartoffelklöße. Zum Nachtisch gibt es Bratäpfel. Die Südafrikanischen Äpfel sind zwar teuer, aber zu Weihnachten darf man mal fünf Stück kaufen.
vorher...


...zwischendurch...



... und nachher




Ein großer Weihnachtsbaum, eine Zypresse, wird aufgestellt und geschmückt. (Die ziehen wir den mickrigen, meist mit Luftballons geschmückten, Plastiktannen vor.) Ich habe sogar eine zwar blinkende, aber weiße Lichterkette gefunden. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen sind und Ansgar schon eine halbe Stunde im Ofen brutzelt, könnte es eigentlich losgehen. Aber da wird unsere Gasflasche leer. Was nun? Es gibt schließlich weit und breit kein Auto, mit dem man mal schnell losfahren und eine neue Gasflasche kaufen könnte. Aber unser Weihnachtsengel Damian steht, kurz nachdem wir ihn angerufen haben, mit seinem Motorrad vor der Tür und lässt uns aufatmen. Er fährt schnell mit Brigitte zum Supermarkt und rettet so unser Weihnachtsessen.



Ja und dann: Frohe Weihnachten!

In Kumbo feiert man den Weihnachtstag. Wir gehen um neun Uhr in die Kathedrale zur Messe. Es wäre vielleicht besser gewesen in die erste Messe um sieben Uhr zu gehen, denn die Predigt ist mit die schlechteste, die ich je gehört habe. Da predigt der Priester an Weihnachten gegen Abtreibung. Das ist ja nicht unbedingt schlecht, aber die Argumente sind sehr abstrus. Zum Beispiel kennt er nicht nur eine, sondern gleich drei Frauen, deren Kinder heute in den USA unter anderem als Arzt arbeiten und somit regelmäßig ihrer Mutter Geld schicken können. Wenn die Mutter abgetrieben hätte, wäre das nicht möglich. (Die Geschichte jeder Frau gibt er aufs Ausführlichste wieder.) Und das beste Argument ist: „Was wäre, wenn Maria Jesus abgetrieben hätte?“ – Ich bin froh, als er endlich fertig ist.

Nach der Kirche sind wir natürlich eingeladen. Wir machen uns auf den Weg nach Shisong (ein Stadtteil von Kumbo), wo wir bei Theresia und Ephraim Lukong eingeladen sind.

Es gibt viel zu essen: Huhn, Ziege, Reis, Yams, Njama-Njama und das beste Fufu in ganz Kumbo.

In Kamerun ist es üblich, das man sich gegenseitig am Weihnachtstag besucht. Es kommen also viele Nachbarn und vor allem Kinder, die diesen Tag nutzen, um soviel zu essen wie sie können.

Wir haben noch viel vor, verabschieden uns alsbald und machen uns auf zum Krankenhaus. Wir haben nämlich die Nachricht bekommen, dass Bernard, unser Koordinator, in der Weihnachtsnacht Vater geworden ist. Es kommen viele Leute herein und jeder zweite sagt: „Das ist der kleine Immanuel!“ Alle Jungs, die an Weihnachten geboren werden, heißen nämlich entweder Immanuel oder Noel. Die Mutter weigert sich aber, den Jungen auch Immanuel zu nennen..

Dann besuchen wir die Kinder im Waisenhaus gleich neben dem Krankenhaus, wo Ruth arbeitet, bevor wir um vier Uhr zu unserer letzen Einladung bei unserem Nachbarn, der Familie von Jean-Baptiste, gehen. Hier gibt es ebenfalls gut zu essen und Palmwein gemischt mit „Baron de Madrid“. Das ist ein Getränk, das in Kamerun produziert, Wein genannt wird, auch wie Wein aussieht, aber erstens nicht so schmeckt und zweitens nicht aus Trauben hergestellt wird. Eine Mischung aus Wasser, Ethanol, Zucker und rotem Farbstoff. Schmeckt fürchterlich, aber hier trinkt es jeder, weil es schön süß, billig und „Wein“ ist.

Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es zum anderen Teil des Weihnachtstages über. In Kumbo trifft sich Alt und jung in Bars, Tanzklubs und auf der Straße. Das Weihnachtsgeld wird entsprechend umgesetzt. Auch wir machen uns auf, um mit ein paar Freunden dieses „andere“ Weihnachten zu feiern.

So geht Weihnachten dem Ende zu und die darauf folgenden Tage erinnern höchstens noch die Fähnchen vor der Kathedrale daran.

Montag, 27. Dezember 2010

Mfumte



Am 19. Dezember fahren Stephen und ich in das Dorf Mfumte. Das ist einer jener Orte, wo die Kinder im Rennen fast hinfallen, wenn sie auf einen Weißen treffen, weil noch nie zuvor einen gesehen haben.
Als Vorbereitung auf unsere dreitägige Tour bekomme ich gesagt, Mfumte sei die abgelegenste Pfarrei im ganzen Bistum und alles, was ich über Afrika gedacht hatte, bevor ich herkam, sollte darauf zutreffen: Ein Ort mitten im Busch, Schlangen, grasgedeckte Lehmhütten und im Dreck spielende Kinder.
Aber jetzt zu meinen Erfahrungen im Mfumte: Auf dem Motorrad geht es am Sonntagnachmittag los, eingepackt mit langen Hosen, Regenjacke und Tüchern um Kopf und Hals gewickelt, sodass nur noch die Augen rausschauen. Nicht weil es so kalt ist oder gar regnet, sondern weil man auf der Hauptstraße nach Norden, der „Ringroad“, von einer Staubwolke in die nächste fährt. Was in der Regenzeit noch Matsch war, liegt jetzt zentimeterdick als rotbraune, feinster Staub auf der Fahrbahn beziehungsweise ist, nachdem sich die Räder eines Toyotas den Berg hinauf gegraben haben, aufgewirbelt in der entgegenkommenden Luft zu finden.
So sitze ich mit meinem Rucksack, voll mit allen möglichen lebenswichtigen Dingen, unter anderem 2,5 Liter Wasser, als Beifahrer auf dem Motorrad und hoffe, dass wir bald den Urwald erreichen.
Aber bevor wir die Hauptstraße verlassen, müssen wir eine Rast in der Stadt Ndu einlegen, ein Guinness trinken und eines jener süßen Brote kaufen, denn so etwas Gutes gäbe es in Mfumte nicht. Dann fahren wir weiter. Da die Verkehrsdichte abnimmt, je mehr man sich Mfumte nähert, kann ich meine Jacke ausziehen, unter welcher ich doch zu schwitzen beginne. Nach drei Stunden erreichen wir wieder eine Abzweigung. Dieses letzte Stück des Weges, welches vor uns liegt, führt über eine Gebirgskette und ist weiß Gott nicht einfach. Nur wenige Autos würden hier fahren können und in der Regenzeit gar keine. Das glaube ich aufs Wort, denn teilweise ist die Straße gar nicht zu erkennen, sondern ein durchfurchtes Lehm-, Fels- und Geröllband, das sich manchmal in den mannshohen Gräsern aufgabelt, verliert und doch wieder zusammenfindet.
Als wir den höchsten Berg passiert haben, kann ich die Häuser des ersten Dorfes von Mfumte erkennen. Die Sonne steht schon tief und in der Luft liegt der Rauch der Buschfeuer, welche stellenweise das trockene Gras in rasantem Tempo zu Asche verwandeln.


Wir fahren durch das erste Dorf, Kom, auf dessen Marktplatz es die einzigen fünf Quadratmeter Handyempfang gibt und steuern dann auf das Pfarrhaus zu. Es liegt auf einem Hügel neben der kleinen Kirche. Wir treffen auf Father Edwin, der gerade als Frau verkleidet vor dem Haus sitzt und sich von zehn Kindern schminken lässt, weil sie für das Grippenspiel üben und er eine Königin spielt.
Ich bekomme mein Zimmer gezeigt. Father Edwin hat alles selbst gebaut und es ist sehr gut ausgestattet. Es gibt ein Bett und sogar ein Bad mit Toilette und Dusche, wo ich mir den roten Puder, welcher sich doch auf meiner Haut festgesetzt hat, abwaschen kann. Sogar Strom gibt es im Pfarrhaus von der Solaranlage neben des „restplace“, wo ich einen Tag später sitzen und diesen Bericht schreiben werde.
die erste Kirche von Mfumte


Während die Sonne gänzlich hinter den Berggipfeln verschwindet, nehmen Stephen und ich an der Andacht in der Kirche teil, die den Abschluss des sonntäglichen Jugendprogramms bildet.

die Kirchenbesucher


Zum Abendessen gibt es Spaghetti mit Tomatensoße. Etwas unerwartet für mich und auch für Father Edwin, der meint, dass er gerade noch dabei sei, seinen Koch anzulernen. Beim Essen erfahre ich noch etwas über die Pfarrei. Mfumte besteht aus 14 Dörfern, die teilweise so weit voneinander entfernt oder so unzugänglich sind, dass man schneller nach Kumbo gefahren ist als dorthin. Nur fünf der 14 Dörfer sind mit einem Auto zugänglich. Sie sind zwei Priester, einer sei aber gerade an einem Ort, wo noch nie ein katholischer Priester war. Die Pfarrei existiert seit acht Jahren. Mir drängt sich natürlich die Frage auf, ob es gut ist die Menschen hier zu missionieren oder ob vielmehr etwas zerstört wird.
Eine Frage, deren Antwort sich im Laufe meines Aufenthaltes klären wird.


Um sechs Uhr am nächsten Morgen ist Messe. Ich denke mir zwar, warum so früh schon wieder in die Kirche gehen? Aber ich stehe um 5:30 auf und so kann ich den Sonnenaufgang genießen. Wie es langsam heller wird und die Natur erwacht. Die vielen Vogelstimmen in den Bäumen zu Füßen des Hügels verkünden den Morgen, ebenso wie die Hühner des Pfarrers. Sie bevorzugen es in einem Baum zu nächtigen und es ist lustig zu beobachten, wie nacheinander dreißig Hühner von den Ästen hinunterflattern.
Die Kirche ist leer, füllt sich aber im Laufe des Gottesdienstes, sodass außer uns zehn Gemeindemitglieder da sind. In dem kleinen Raum auf einer Holzbank sitzend, durch die Fensteröffnungen zu sehen, wie die Sonnenstrahlen sich allmählich einen Weg durch den Dunst bahnen und die Baumkronen auf den Berghänge kitzeln, die frische kühle Morgenluft in der Nase zu spüren und die Stimmen tausender Vögel zu hören, während zwei Hühner vor dem Altar auf- und abstolzieren, lässt schon zu glauben wagen, dass dieses Tal eine einzigartige Schöpfung Gottes ist. Der Rest der Welt ist fern. Unvorstellbar, dass irgendwo auf der Welt Menschen zusammengezwängt in einer U-Bahn zur Arbeit fahren.
Auf das Evangelium folgt die Predigt. Es ist erstaunlich welche Auslegung zur Empfängnis Marias möglich ist. Father Edwin predigt über die Faulheit. Ein Thema, dass wir schon beim Abendessen hatten. Er sagte, dass die Menschen hier unglaublich faul seien. Hauptsächlich würden sie Mais, Cassava und Coco-Yams anbauen. Eigentlich sei es auf Grund des Klimas möglich zwei Maisernten pro Jahr zu haben, hätten sie hier aber nicht.
Father Edwin selbst, der dieses Jahr seine dreitausendste Ananasstaude gepflanzt hat, wird nächstes Jahr mehr Ananas ernten als irgendwer sonst in Mfumte.
Die Predigt lautet ungefähr so: Wenn ihr mit verschränkten Armen in der Küche sitzt, mit verschränkten Armen in der Schule, mit verschränkten Armen auf dem Markt und Euch nur zum Palmweinholen bewegt, dann seit ihr faul. Maria war aber nicht faul als sie Jesus empfing.

Nach dem Frühstück, zu dem es Brot aus Ndu und von mir mitgebrachtes Sauerteigbrot gibt, fahren Stephen und ich nach Lus, ein Dorf, etwa zwei Kilometer vom Pfarrhaus entfernt.

Häuser in Lus


Dort wollen wir die „Single-Parents-Group“ treffen. Eigentlich ist das eine andere Abteilung des Family Life Office, aber da wir schon mal da sind, ist es auch in unserem Programm. Zuerst besuchen wir das Ehepaar, welches die Family-Life-Arbeit in Mfumte koordiniert. Es ist eines jener Lehmhäuser mit gestampftem Lehmboden, aber schon mit einem Wellblechdach. Wir werden freudig empfangen und sind froh, dass sie über unseren Besuch informiert sind. Die Kinder sind ganz aus dem Häuschen mich zu sehen und mir sogar die Hand zu geben. Besonders die kleineren sind schüchtern und lugen verschämt durch ihre dreckigen Fingerchen bis der „Mabuli“ sie photographiert und sie sich selbst auf meiner Camera betrachten können.



„Mabuli“ werde ich von den Kindern und Älteren genannt beziehungsweise es schallt mir voraus, denn aus jedem Haus kommen die Kinder gelaufen und winken. „Mabuli“ ist in der Sprache Lus und heißt „reiner Mensch“. „ma“ bedeutet Person/Mensch und „bubu“ rein/sauber. Die Bedeutung ist sehr interessant. Ein Weißer ist also rein oder sauber, wohingegen ein Schwarzer einfach als schwarz bezeichnet wird.
Lus ist eine Sprache in Mfumte. Es gibt nämlich drei große Stämme, die jeweils ihre eigene Sprache haben und sich untereinander auch nicht verstehen können. In dem zwei Kilometer entfernten Kom spricht man auch Lus, allerdings ein anderer Dialekt, der aber von Leuten aus Lus verstanden werden kann. Es ist schon erstaunlich, dass es in einer Pfarrei drei grundverschiedene Sprachen gibt und viele der älteren Leute noch nicht einmal Pidgin-Englisch sprechen.
Wir laufen durch das Dorf zur kleinen Kirche im Viertel namens Usa (gesprochen mit kurzem o, Usǒ). Die Kirche ist deshalb so klein, weil die Mehrheit der 4000 Einwohner von Lus und in der ganzen Pfarrei Baptisten sind, nur 130 Katholiken. Die Missionierung in Mfumte hat schon 1935 von den Baptisten begonnen.

Wir sind um halb zehn an der Kirche. Eigentlich pünktlich, da das Treffen für acht Uhr angesetzt war. Es ist aber nur ein Vater anwesend. Also schauen wir uns die neue und erste „Catholic Primary School“ an. Hier werden 100 Kinder unterrichtet, von denen nur 15 das Schulgeld selbst bezahlen können. Der Rest wird vom Family Life Office unterstützt. Es gibt fünf Lehrer für die zwei Klassen der Nursery School und die 6 Klassen der Primary School. Bis auf die fünfte und sechste Klasse werden immer zwei Klassen von einem Lehrer unterrichtet.
Nachdem mehrmals die Glocke geläutet wurde, treffen allmählich die Leute ein, acht der 12 Mitglieder. Von den zwölf Mitgliedern sind auch nur drei katholisch, weil unser Programm zwar nach der katholischen Lehre aufgebaut ist, sich aber an alle Menschen richtet, die Hilfe benötigen.

Wir starten das Treffen mit einer Vorstellung von mir. Stephen redet in Pidgin, was dann alles noch mal in Lus übersetzt wird. Wir lassen uns über alle Aktivitäten informieren, die sie im letzten Jahr gemacht haben. Die Gruppe hat ein Kapital von 250000 Francs. Es funktioniert aber nicht, dass sich Einzelpersonen Geld leihen, weil sie es nicht zurückzahlen können. Deshalb wurde schon letztes Jahr festgelegt, dass nur die Gruppe als Ganzes mit dem Geld agieren darf. Wir lassen uns erzählen wie viel Erdnüsse, Öl, Benzin sie gekauft und gewinnbringend wieder verkauft haben. Es fehlt allerdings der Zins. Für jedes Darlehen muss ein Zins gezahlt werden, von dem am Ende des Jahres zum Beispiel Lebensmittel gekauft und unter den Mitgliedern verteilt werden.

Auch ist ein Missverständnis aufzuklären. Sie dachten nämlich, dass das Kapital unter den Mitgliedern aufgeteilt wird und haben dementsprechend keine neuen Mitglieder aufgenommen, deshalb sind es nur zwölf. Im nächsten Jahr sollen sie noch einmal starten.

Nach dem Treffen mache ich noch Photos. Auch wenn ich nicht viel gesagt habe, bekomme ich gesagt wie gut doch das Treffen verlaufen ist, weil ich da war. Wir bekommen als Dankeschön einen Sack Süßkartoffeln geschenkt.



Dies ist eine Großmutter mit ihrem zweijährigen Enkelkind. Da die Mutter gestorben ist, muss sie nun die Mutterrolle übernehmen. Sie wirkt schon recht alt und schwach, aber ich sehe in ihrem Gesicht, mit welcher Liebe sie sich um das Kind kümmert. Da bleibt mir nur noch zu sagen „God bless you“.


Danach möchte ich noch den Markt von Lus sehen. Hier ist nicht soviel los, denn Markttag ist nur alle acht Tage. Ein paar Menschen sitzen im Schatten, zum Beispiel der einzige Polizist von Lus, der Karten spielend vor seinem Büro sitzt.



Mitten auf dem Markt gibt es ein Steinpodest, auf dem der Fon oder sein Stellvertreter eine Ansprache machen können. Der Fon ist der Häuptling oder König des Dorfes. Wenn der Fon auf das Podest steigt, darf er von niemanden berührt werden und keiner darf sprechen außer dem Fon.

Während wir ein Bier trinken, kommt just dieser Stellvertreter und möchte mit uns sprechen. Er macht sich sehr wichtig und Stephen hält eine kurze Ansprache, was das Family Life Office so macht. Auch wenn ich den Eindruck habe, dass der Stellvertreter nicht viel verstanden hat, ist es gut, dass wir mit ihm gesprochen haben.



Auf dem Rückweg photographiere ich ein paar Frauen, die damit beschäftigt sind Lehmziegel herzustellen. Das ist hier nämlich Aufgabe der Frauen, eine von vielen Aufgaben der Frauen.
Frauen bearbeiten die Farm, erziehen die Kinder, kochen und besorgen auch das Gras zum Decken der Dächer. Der Mann setzt lediglich die fertigen Steine aufeinander und deckt das Dach. Dann kann er sagen, dass er ein Haus gebaut hat und sich vielleicht noch eine Frau nehmen oder die alte Frau wegschicken, wenn sie faul ist. Ansonsten beschränkt sich sein Leben auf Palmweintrinken und Kindermachen.

Auch etwas für das die Kirche kämpft: Die Gleichberechtigung zwischen Ehepartnern.

Nach dem Mittagessen, Reis und Bohnen, soll ich mich ausruhen. Aber ich bin ja nicht da um zu schlafen. Also fange ich an den Bericht zu schreiben, mache einen Spaziergang und besuche Father Edwin beim Feuerholzspalten.


Eindrücke des Spaziergangs:




Abends kommt Father Pontiatus von seinem Ausflug zurück. Er ist sehr jung und vor dem Abendessen erzählt er von seinen Erlebnissen. Das Dorf, welches er aufgesucht hat, sollte laut einiger Einheimischer eine halbe Stunde von der Straße entfernt liegen, daraus wurde aber ein vierstündiger Fußmarsch unter anderem durch brusttiefe Flüsse. Die Einwohner hätten größtenteils noch nie etwas von der katholischen Kirche gehört.

Die Bevölkerung eines Dorfes müsse man sich so vorstellen: Ganz viele alte Menschen und noch mehr Kinder mit ihren jungen Müttern. Die Männer gehen weg, wenn sie können, nach Douala oder Yaoundé. Das Leben in den Slums der Großstädte bietet noch eine höhere Chance ein bisschen Geld zu verdienen. Gelegentlich, wie jetzt zu Weihnachten, besuchen sie ihr Dorf. Sie kommen als Männer aus der Stadt mit ein wenig Geld, für welche es einfach ist ein Mädchen zu finden. Somit verbreitet sich der HIV-Virus auch in den abgeschiedensten Dörfern.

Die Globalisierung macht auch hier nicht halt. Es handelt sich keineswegs um Menschen, die glücklich mit ihrer Naturreligion leben. Deshalb ist es gut, dass wenigstens die Kirchen sich dieser Dörfer annehmen, eine Lebensperspektive schaffen und Moralvorstellungen der modernen Welt verbreiten. Denn vom Staat ist nichts zu erwarten. Die UN berät gerade darüber, ob die Dörfer in den Bergen zu Nigeria oder Kamerun gehören. Die Grenzen sind nämlich seit der Unabhängigkeit nicht ganz klar.

Danach kommen wir auf Deutschland, Demokratie usw. zu sprechen.


Am nächsten Morgen startet das Programm, weshalb wir eigentlich gekommen sind. Die Übergabe von Werkzeuge an Jugendliche, die eine Ausbildung zum Schreiner beginnen. Sie sollen feierlich in einer Messe übergeben werden, die für neun Uhr angesetzt ist. Um halb elf geht es los. Father Pontiatus hält die Messe alleine, weil Father Edwin spontan zur Beerdingung eines Kindes muss, das mir am Tag zuvor auf der Straße noch die Hand gegeben hat. Hier herrscht ein anderes Verhältnis zum Tod, vor allem bei Kindern.

Die drei angehenden Schreiner kommen aus armen Familien. Ihre Eltern sind entweder tot oder auf Grund von Krankheit nicht in der Lage Geld zu verdienen. Das Family Life Office finanziert das Schulgeld vieler Waisenkinder, aber was ist nach der Schule? Ein Schulabschluss heißt noch lange nicht, dass man einen Arbeitsplatz findet.



Father Pontiatus segnet die Werkzeuge und bevor es zur Übergabe kommt, soll ich eine Rede halten. Die größte Sorge ist nämlich, ob die Werkzeuge auch zweckgemäß genutzt und nicht von irgendeinem Onkel verkauft werden. Ein Werkzeugset kostet 70000 Francs (110€). Da das Geld aus dem Bistum Limburg kommt und ich quasi dessen Repräsentant bin, ist es meine Aufgabe die Menschen zu ermutigen, die Werkzeuge verantwortungsbewusst zu benutzen, und zu vermitteln, dass ich aus Deutschland gekommen bin, um zu sehen wie und ob sie die Mittel einsetzten.

Meine Reden in Englisch werden immer besser, denn hier wird bei jeder Veranstaltung erwartet, dass man etwas sagt. Alles wird gefilmt und ich weiß nicht, wie oft sie den Teil mit meiner Rede an diesem Nachmittag auf dem Fernseher im Pfarrhaus abgespielt haben.

Die Werkzeuge werden überreicht und dann müssen ganz viele Photos mit meiner Camera gemacht werden, weil jeder will, dass sein Bild im Bericht in Deutschland erscheint. Hier sind also die Bilder:




Nachdem alle photographiert sind, treffen wir die Jugend in der Kirche, um unser Programm über Aufklärung und Aids zu machen. Diesmal spricht nur Stephen, weil die Kinder besser Pidgin sprechen und verstehen als Englisch. Danach gibt es Essen. Zwei Familien der glücklichen Werkzeugempfänger haben Essen vorbereitet, von dem wir zwei Monate satt werden könnten: Fufu, Huhn- und Ziegenfleisch, welches ich nicht probiere. Denn es sieht so aus als ob die Ziege am Stück über offenem Feuer gegrillt und dann in kleine Stücke geschnitten wurde. Darauf lässt jedenfalls die schwarze Haut schließen, die von den Kamerunern zwar unter Anstrengung, aber genüsslich zerkaut wird.

Da wir nicht alles essen können, werden auch die anderen Kirchenbesucher satt. Anschließend bekommen wir noch Geschenke überreicht: Einen Hahn und Kochbananen.



Jetzt wird es ein bisschen stressig, denn wir müssen uns beeilen, um noch rechtzeitig in Kumbo zu sein. Ich ziehe mich noch schnell um und Stephen belädt das Motorrad. Den Sack Süßkartoffeln können wir unmöglich dalassen und den Hahn brauchen wir schließlich für Weihnachten. Dieser darf in einem Sack unter dem Gepäckträger vor dem Auspuff hängen. Es ist zwar ein äußerst hässlicher Hahn, aber das hat er nun auch nicht verdient. Doch er wird die Fahrt überleben.

Als mit meinem Rucksack der Gepäckberg so hoch wie ich selbst getürmt hat, sehen alle ein, dass die Bananen wirklich nicht mehr draufpassen. Also verabschieden wir uns von allen und machen uns auf den Heimweg.

Wir nehmen diesmal eine andere Straße, die schlechtere. Der Vorteil ist, sie hat weniger Steigung und ich muss nicht so oft absteigen und den Berg hoch laufen, der Nachteil ist, dass die Straße um einiges steiniger und mit mehr Felsbrocken gespickt ist als der Hinweg.


So kommen wir verstaubt bei Sonnenuntergang in Kumbo an.

Die Fahrt hat sich wirklich gelohnt und ich will auf jeden Fall noch Mal nach Mfumte kommen.


Viele Grüße Maximilian