Samstag, 6. November 2010

Unterricht in St. Augustine



Heute möchte ich über meine Arbeit als Lehrer im St. Augustine’s College berichten.
Zuerst erzähle ich am besten etwas zum Schulsystem in Kamerun. Mit zwei oder drei Jahren beginnt für die Kinder das Schulleben. Gestartet wird mit zwei Jahren Nursery-School, mit deren Unterrichtsmethoden Brigitte, meine Mitbewohnerin, gerade zu kämpfen hat. Dort herrscht eine Disziplin wie in einer Schule, die Kinder müssen auf Bänken sitzen und es wird vor allem Englisch unterrichtet.
Mit spätestens fünf Jahren geht es für sechs Jahre in die Primary-School. Mit elf Jahren wechseln die Schüler zu einer weiteren Schule, der Secondary-School. Nach fünf Jahren schließen sich zwei Jahre High-School an, nach denen man zur Universität zugelassen ist.
Die Schulpflicht endet nach der Secondary-School oder wenn man das Schulgeld nicht bezahlen kann. Das Schulgeld muss allein von den Eltern aufgebracht werden.

Zwischen den Schulen gibt es natürlich Unterschiede. Es gibt staatliche Schulen, die ca. 30000 Francs (48€) pro Jahr kosten. Die sind deshalb so günstig, weil die Klassen dementsprechend groß sind. In einer Klasse sind zwischen 100 und 200 Schüler. Die Lehrer einer staatlichen Schule werden auch besser bezahlt. Allerdings fehlt die Kontrolle, ob und was die Lehrer unterrichten. Der Lehrer einer staatlichen Schule kann also getrost mal ein verlängertes Wochenende einschieben.
Private Schulen (katholisch, muslimisch oder evangelisch) bieten eine wesentlich bessere Bildung, allein schon weil die Klassen kleiner sind (40 bis 60 Kinder). Sie sind aber auch teurer. Das Schulgeld kann zwischen 60000 (96€) und 100000 (150€) Francs pro Jahr betragen. Wenn man rechnet, dass ein Lehrer einer privaten Schule 130000 Francs im Monat verdient, wird das Schulgeld von zwei Schülern benötigt, um den Lehrer zu bezahlen. Das Schulgeld von 24 Schülern wird nur dazu gebraucht, den Lehrer ein Jahr zu bezahlen. Dazu kommen alle anderen Kosten für Gebäude, Strom, Administration etc.
Schulmaterialien, wie Bücher, müssen natürlich von allen Schülern selbst gekauft werden.
Bildung ist hier also sehr teuer, vor allem wenn man bedenkt, dass in den Dörfern, die Menschen nur von ihren landwirtschaftlichen Erzeugnissen leben, von der Hand in den Mund. Solche Familien sind froh, wenn sie tausend Francs im Monate zur Verfügung haben, weil sie drei Ananas verkaufen konnten. Und somit ist das Schulgeld von 30000 Francs pro Jahr plus Bücher für ein Kind eigentlich unerschwinglich (10 Kinder in einer Familie sind keine Seltenheit).
In meiner Schule werden gerade die Schüler nach Hause geschickt, die ihr Schulgeld nicht vollständig bezahlt haben. Wenn sie mit Geld wiederkommen ist es gut, wenn nicht können sie zu Hause bleiben.

Das Bistum Kumbo finanziert mit der Unterstützung des Kindermissionswerks in Deutschland und des Bistums Limburg das Schulgeld von 1800 Waisen und bedürftigen Kindern pro Jahr. Dies erscheint sehr viel. Aber man muss bedenken, dass es in der Diözese über 7000 Waisenkinder gibt. Bei einer Gesamtbevölkerung von 735000 Menschen ist das knapp 1%.

Aber jetzt zu meinem Unterricht: Das St. Augustine’s College ist ein katholisches Internat mit 800 Schülern, das Secondary-School und High-School umfasst. Ich unterrichte in zwei Klassen in Form II (die zweite Klasse der Secondary-School) Mathematik. Außer mir gibt es noch einen weißen Lehrer, einen spanischen Pfarrer, der Spanisch unterrichtet.

Das Schulsystem ist hier ganz anders, nur das mir keiner sagt, was ich zu tun habe. Ich habe ein Schulbuch (nach zwei Wochen) und meinen Stundenplan bekommen und dann ja … Unterrichte!
Zuvor musste ich noch in langen Diskussionen erkämpfen, dass ich nicht Form III unterrichte, einfach weil meine Englischkenntnisse nicht ausreichen, um Vektoren und Matrizen zu erklären. Aber das ist schon ein Teil der Mentalität hier. Viele glauben, dass wenn man weiß ist, man alles kann und alles weiß. Die Argumente der Lehrer waren: „Mathe ist doch so einfach und Englisch, das ist doch die einfachste Sprache der Welt. Wo soll es da ein Problem geben?“ Meine Argumente waren: „Ich bin kein Lehrer, habe noch nie unterrichtet und würde lieber mit weniger abstrakten Themen anfangen.“ Nach mehreren Gesprächen mit dem Schulleiter darf ich jetzt doch Form II unterrichten.

In einer Klasse sind 43 und der anderen 36 Kinder von elf bis dreizehn. Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass die Kinder es einfach nicht gewöhnt sind ein Unterrichtsgespräch zu führen oder selbst zu denken! Sie bekommen hier alles an die Tafel geschrieben, was sie dann auswendig lernen. Ich habe es aber noch nicht aufgegeben, sie dazu anzuhalten, selbst einen Lösungsansatz zu finden.
Eine Secondary-School ist quasi eine Gesamtschule. Die Bücher aber sind Cambridge-Niveau. Wenn die Schüler verstehen, was der Lehrer an die Tafel schreibt, ist es gut, wenn nicht ist der Schüler eben dumm und/oder faul. Es interessiert sowieso nur, ob man einen Test besteht oder durchfällt. Letztendlich entscheiden die Eltern, ob jemand das Schuljahr wiederholt oder nicht, denn die bezahlen schließlich das Schulgeld.

Bei der Vielzahl von Schülern und vor allem dem Tempo, mit dem man im Buch voranschreiten muss, ist es eigentlich unmöglich darauf zu achten, dass alle Schüler das Thema verstehen. Und das geht nicht nur mir so. Etwa ein Drittel meiner Schüler hat solche Defizite, dass man sich fragen muss, ob sie in den letzten drei Jahren im Matheunterricht anwesend waren.
Ich versuche zwar manchmal zu wiederholen, wie man multipliziert oder mit Brüchen rechnet, aber dafür ist eigentlich keine Zeit.

Das ist etwas, was höchst wahrscheinlich durch die hier sonst übliche Art zu unterrichten hervorgerufen wird. Ich habe ein paar Mal am Unterricht meiner Kollegin teilgenommen. Sie ist eine 23-jährige Nonne, die Form I und III unterrichtet.
Sie ist eine kleine, zierliche Person, aber in der Klasse ist Totenstille. Das wichtigste ist erstmal Disziplin. Wenn jemand zu spät kommt, darf er den Rest der Stunde vor der Tafel knien. Wenn jemand stört, laut ist oder sich nicht mit dem Unterricht beschäftigt, gibt es Kopfnüsse, wird an den Ohren gezogen oder die Schwester kommt mit dem Stock.

Das ist ja noch nicht so schlimm. Immerhin ist die Klasse ruhig. Was ich viel gravierender finde ist, dass nur die richtige Antwort zählt. Einmal musste die ganze Klasse am Anfang der Stunde knien. Erst, wenn jemand eine richtige Antwort sagte, durfte er sich setzten. Über zweidrittel der Klasse knieten die ganze Stunde. Wenn man für eine falsche Antwort gedemütigt oder bestraft wird, traut sich natürlich niemand etwas zu sagen.


Dagegen ist mein Unterricht der reinste Zirkus, obwohl ich finde, dass die Klasse für 40 Schüler sehr ruhig ist. Ich schaffe es auch immer mehr Schüler zu motivieren am Unterricht aktiv teilzunehmen. Sie sind aber nur schwer dazuzubewegen, einen eigenen Lösungsansatz zu erdenken oder auf eine Frage zu antworten, deren Antwort ich nicht vorher schon mal gesagt habe oder die genauso im Buch steht. Meinen Schülern sage ich immer, dass es nicht schlimm ist etwas Falsches zu sagen. Denn wie will man etwas verstehen, wenn man nicht begreift, warum es nicht auch etwas anderes sein kann.

Das sind vor allem Probleme des Mathematikunterrichts. Es herrscht grundsätzlich ein Mangel an Mathematiklehrern. Das führt dazu, dass vor allem in den unteren Klassen und der Primary-School Lehrer eingesetzt werden, die wahrscheinlich selbst kein Verständnis oder Begeisterung für Mathe haben. Die Grundlagen werden also einfach nicht gelegt.

Etwas anders, was sich durch die gesamte kamerunische Gesellschaft zieht, ist, dass sich keiner Gedanken macht wie etwas besser, effektiver, einfach anders ablaufen kann. Sich einfach mal die Frage stellen: Wie kann ich meinen Unterricht aufbauen, damit die Schüler es besser verstehen? Viele Lehrer folgen einfach dem Lehrbuch (denn das hat ja ein klügerer Professor geschrieben) und arbeiten mit den Methoden weiter, die ihre Väter von den Kolonialherren übernommen haben. Diese Kultur, nicht zu hinterfragen und einfach das zu machen, was man gelernt oder gesagt bekommen hat, erinnert manchmal ans Mittelalter. Einerseits kann man nicht erwarten, dass die Menschen hier fünfzig Jahre nach Ende der Kolonialzeit gelernt haben zu kritisieren, andererseits ist es etwas, was ich einfach nicht verstehe: Wie man sein Leben nicht selbst in die Hand nehmen kann.

Auch ist die Schule noch weit davon entfernt, die Lehrpläne der einzelnen Fächer aufeinander abzustimmen. Ich habe einmal in einem Chemiebuch geblättert. Wie sollen die Schüler den Graphen, der die Veränderung der Dichte von Quecksilber in Abhängigkeit der Temperatur darstellt, verstehen könne, wenn sie im Matheunterricht noch nicht einmal den Graphen einer proportionalen Funktion zeichnen können?

Disziplin wird nicht nur im Unterricht ganz groß geschrieben. In unserer Schule gibt es einen „Disciplinemaster“. Der ist kein Lehrer, sondern nur damit beauftragt Schüler zu bestrafen und für Ordnung zu sorgen. Bei einem Vergehen wird der Schüler zum „Disciplinemaster“ bestellt und bestraft, ganz egal was er angestellt hat. Wie die Bestrafung im Einzelnen aussieht, wenn man zum „Disciplinemaster“ bestellt wird, habe ich noch nicht mitbekommen, aber am ersten Tag wurde ich von ihm gefragt, ob ich einen Stock haben wolle, er hätte so schöne neue Stöcke gekauft. (Die Schüler berichten, dass die Stöcke öfters mal zerbrechen.)

Und ich werde mit Situationen konfrontiert, die man in Europa wohl nicht vorfinden wird.
Eine Unterrichtssituation war einmal: Ich versuche gerade ein neues Thema zu erklären und plötzlich springt die Hälfte der Klasse auf: „Sir, können wir unsere Wäsche abhängen gehen?“
Meine Reaktion war erst einmal „Nein, wir habe Unterricht!“, „aber es fängt an zu regnen!“. Ja was soll man da noch sagen. Also unterbreche ich den Unterricht für eine Viertelstunde, um die Kinder ihre Wäsche abhängen zu lassen.

Und wie werden die Schüler in Kamerun bewertet? Ich habe einen anderen Mathelehrer gefragt, wie das Notensystem hier sei. Erstmal musste ich erklären, dass es in Deutschland ein Notensystem von eins bis sechs gibt und ich eben nicht weiß, wie es hier gehandhabt wird. Als Antwort bekomme ich: „Vielleicht ein Punktesystem bis 14 oder bis 20. Das kannst du dir aussuchen. Für die Examen gibt es zwar ein einheitliches System, das weiß ich jetzt aber auch nicht.“ …???...

Was noch ein großes Problem ist: die Namen! Erstmal die afrikanisch oder englischen Namen an sich. Und dann sehen alle gleich aus. Die gleiche Schuluniform, die gleichen kurz geschorenen Haare. Am Anfang habe ich nur an der Hose oder dem Rock erkannt, ob es ein Junge oder Mädchen ist. Jetzt kann ich die Gesichter schon differenzieren.
Man trifft aber auch oft auf deutsche Namen, wie z.B. Mathilda, Elisabeth, Wilfried, Agnes, Herbert, Klothilde, Johanna, Stephan, die auch annähernd deutsch ausgesprochen werden.

Freitagnachmittag habe ich noch einen Deutschklub, wo ich Deutsch unterrichte. Der Klub ist freiwillig und es gibt noch zisch andere Klubs zur Auswahl, die zur gleichen Zeit sind. Aber welcher ist der Größte? Der Deutschklub.
110 Schüler sitzen da ohne Schulbuch oder jegliche Unterrichtsmaterialien und wollen von mir Deutsch lernen. Es klappt mittlerweile ganz gut, denn im Nachsprechen sind die Schüler echt gut. Die Schüler sind auch sehr interessiert daran Deutsch zu lernen. Unter anderem wegen der Partnerschaft des Colleges mit St. Ursula in Geisenheim, aber auch weil viele Kameruner davon träumen nach Europa zu kommen oder in Deutschland zu studieren.
Es macht wirklich Spaß Deutsch zu unterrichten und dank des Deutschbuches, was ich mitgebracht habe, weiß ich auch ungefähr wie ich meinen Unterricht aufbauen kann.

Die Kapelle, das wichtigste Gebäude

Dann möchte ich noch den Tagesablauf eines Schülers vorstellen. Der Tag eines Internatsschülers ist bis auf die letzte Minute durchgeplant:

Aufgestanden wird um 5 Uhr morgens. Die Schüler haben Zeit sich und ihre Kleider zu waschen. Um 6:15 Uhr ist heilige Messe. Natürlich ist alles Pflicht, auch für die nicht-katholischen Schüler. Diese müssen aber nicht mitbeten, nur anwesend sein. Es gibt durchaus viele Schüler mit einer anderen Religionszugehörigkeit in den kirchlichen Schulen. Um 7 Uhr gibt es Frühstück, ein Stück des süßen, englischen Brotes und Tee.

Um 7:20 Uhr ist „Morning Assembly“, Morgenappell. Alle Schüler stehen in Reih und Glied nach Klassen und Geschlechtern geordnet auf dem großen Platz vor der Schule. Montags müssen auch alle Lehrer anwesend sein. Erst wird ein Vaterunser und ein Ave Maria gebetet und dann die Schulhymne gesungen, wobei die Flagge des Vatikan gehisst wird. Darauf folgt die Kamerunische Nationalhymne, wobei selbstverständlich die Flagge Kameruns gehisst wird.
Jetzt macht zuerst der Schulleiter eine Ansprache, danach können verschiedene Lehrer oder der Schulsprecher etwas vermelden. Meistens geht es um Regeln, die missachtet wurden, das Schulgeld, welches noch nicht bezahlt wurde oder die anstehenden Tests usw.
Eine Regel ist zum Beispiel, dass die Schüler keinerlei elektronische Geräte besitzen dürfen. Es gibt übrigens auch keine Steckdosen, die für Schüler zugänglich sind.

Nach dem Morgenappell beginnt der Unterricht um 7:45 Uhr. Jede Klasse hat ihren Raum und die Lehrer wechseln nach 45 Minuten. Jeden Tag hat jeder, egal welche Klassenstufe, 8 Stunden durchgängig mit 20 Minuten Pause nach der vierten Stunde.

Jeder Schüler hat auch sein eigenes Pult, worin seine Schulsachen sind. – Es ist schwierig die Sitzordnung zu verändern. Das war das einzige Mal, wo ich die Kontrolle über die Klasse verloren habe, nämlich wenn 40 Kinder gleichzeitig ihr Pult durch die Klasse schieben und anfangen sich zu streiten, wer wo sitzt.-

Die Schulglocke

Um 14:10 Uhr geht es zum Mittagessen; es gibt jeden Tag das Gleiche: Reis mit Soße.

Danach ist eine längere Pause, wo die Schüler Zeit haben zu schlafen oder ihre Wäsche zu wachen, bis alle um halb vier wieder in ihren Klassen sein müssen und dort die Nachmittagsstudien aufnehmen. Das heißt Hausaufgaben machen und lernen. In dieser Zeit ist hauptsächlich der Klassensprecher dafür verantwortlich, dass die Klasse ruhig ist und lernt.

Um 5:45 geht es zur Abendandacht in der Kapelle. Danach gibt es Abendessen, das gleiche wie zum Mittagessen. Dann werden um halb sieben die Nachtstudien fortgesetzt bis um 9 Uhr.

Um 9:30 Uhr ist „dead silence“, Totenstille. Die Schüler wohnen übrigens in verschiedenen Häusern: z.B. St. Andrew, St. Joseph, St. Anne, ein bisschen wie bei Harry Potter. Die Häuser tragen auch Fußballspiele gegeneinander aus.
Haus ist vielleicht zuviel gesagt. Ein Haus besteht aus einem Raum, der ein bisschen größer als ein Klassenraum ist und in dem dicht an dicht Etagenbetten aus Holz stehen. Darin schlafen um die 100 Schüler, alte und junge gemischt, denn die Älteren müssen für Ordnung im Schlafsaal sorgen. Jedes Haus hat noch ein kleines Bad. An der einen Wand reihen sich zehn Duschen an der anderen zehn Toiletten und in der Mitte ein paar Wasserhähne.


Speisesaal


Der Sportplatz

Dienstag- und Samstagnachmittag haben die Schüler Sport anstatt Studien bzw. „Manual Labour“, gemeinschaftliche Arbeiten auf dem Feld oder zum Beispiel den Speisesaal putzen. Freitags ist „Clubtime“, wo unter anderem mein Deutschklub, Tanz-, Musik-, oder Kunstklubs stattfinden. Sonntags haben die Schüler, nach der Messe natürlich, Zeit zum lernen und am Nachmittag sogar frei!

Als ich gefragt habe, warum die Schüler so wenig Freizeit hätten, habe ich gesagt bekommen, dass die Schüler hier sind, um zu lernen und nicht um Spaß zu haben. Und überhaupt bekommen die Schüler hier zu essen und müssen nachmittags nicht auf der Farm arbeiten.

Jetzt habe ich sehr viel über die Dinge geschrieben, die anders als in deutschen Schulen sind und die Schulsituation vielleicht ein bisschen zu negativ darstellt.
Auch hier sind es ganz normale Kinder wie deutsche auch, die viel lachen und Spaß haben können. Man braucht auch nicht zu denken, dass sie besser lernen oder motivierter sind, nur weil die Schule ihre Eltern so viel Geld kostet.

Auch ist die Ausstattung der Fachräume gar nicht schlecht. In den Chemie- und Biologieräumen wird in den höheren Klassen auch praktisch gearbeitet und Experimente durchgeführt. Besonders der Computerraum mit 20 Computern und Internet bietet die Möglichkeit, dass in allen Jahrgangsstufen das Fach „Computer“ unterrichtet werden kann. Das unter anderem sind die Vorteile einer privaten Schule.

Der Chemiesaal (gerade werden die neuen Wasseranschlüsse verlegt, deshalb ist der Boden aufgerissen) und die Chemiesammlung

Am Anfang war es sehr schwer sich zurechtzufinden, zumal ich nicht nur ein völlig fremdes Schulsystem vorgefunden habe, mit den Problemen einer anderen Sprachekonfrontiert wurde und keinerlei Anweisungen bekommen habe, wie ich unterrichten soll.
Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es gut ist, dass ich unterrichte, so als Abiturient ohne Erfahrung. Aber wenn ich mich mit den anderen Lehrern vergleiche beziehungsweise die Erfolge meines Unterrichts mit den ihrigen, profitieren die Schüler mit Sicherheit von mir.

Viele Grüße aus Kumbo

Maximilian

Montag, 4. Oktober 2010

Wochenende in Bamenda

Am Freitag, dem 17. September, fahren wir für das Wochenende nach Bamenda. Geplant ist, dass wir um zwei Uhr aufbrechen. Das sind Ruth, Brigitte, ich, Mona (eine deutsche Ärztin) und Louis (ein Freund aus Kumbo). Wir wollen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (public transport) fahren. Dafür suchen wir uns im „car-park“ in Kumbo ein geeignetes Transportmittel. Wir finden einen Kleinbus, der bereit ist uns für 2500 Francs mitzunehmen. Nun heißt es warten bis der Bus voll ist, denn der Fahrer fährt nur, wen auch jeder Platz besetzt ist. Voll heißt für einen Bus, in den in Deutschland 15 Personen passen würden, dass hier 20 Personen hineinpassen plus Kinder (denn die bezahlen nicht und brauchen folglich auch keinen Sitzplatz). Größere Gepäckstücke werden auf dem Dach verstaut. Um vier ist der Bus voll und es kann endlich losgehen.

Nur einige wenige Abschnitte der Straße von Kumbo nach Bamenda sind asphaltiert. Es ist erstaunlich, wie elastisch ein solcher Bus ist. Seine Form passt sich regelrecht den Schlaglöchern an. Da kann sich die Außenwand oder die Sitzbank schon mal um fünf Zentimeter bei einem Schlaglochwechsel verschieben.

Von Beinfreiheit oder Ähnlichem kann man natürlich nicht sprechen, obwohl wir Glück hatten, relativ schlanke Sitznachbarn und keine „fat Mami“ neben uns zu haben.

Man isst Erdnüsse, deren Schalen man einfach aus dem Fenster wirft, und so hoppelt der Bus durch die schöne Landschaft des Hochlandes von Bamenda, die manchmal eher an die Schwäbische Alp erinnert als an das klassische Bild von Afrika.

Um sieben, es ist bereits dunkel, kommen wir in Bamenda an und wir freuen uns, endlich aus dem kleinen Bus raus zu kommen. Aber es regnet und die Kameruner halten es wohl für bequemer in einem stickigen Bus eingezwängt zu sein als ein paar Meter durch den Regen zu laufen, wobei abzusehen ist, dass der Regen so schnell nicht aufhören wird. Als der Fahrer auch nach mehrmaliger Aufforderung unsererseits die Tür nicht öffnen will, steigen wir aus dem Fenster aus.
Louis muss noch seinen Koffer vom Dach hohlen und ausgerechnet dann entscheidet der Busfahrer fünf Meter weiter unter ein Tankstellendach zu fahren. Ein lustiges Bild: Louis mit Regenschirm auf einem fahrenden Bus!

Übernachten werden wir im Gästehaus der „Cameroon Baptist Convention“. Ein hübsches Zimmer mit Standard wie in einem Hotel. Doch bevor wir schlafen gehen, wollen wir noch etwas essen. Wir stürzen uns in den Straßenverkehr von Bamenda (so viele Autos sind wir gar nicht mehr gewohnt) und suchen uns einen kamerunischen Fast-Food-Stand. Am Straßenrand sitzen Frauen vor Grills oder Feuern, die in den Felgen von Autorädern entzündet werden. Hier gibt es wahlweise gegrillten Fisch oder Ziegenfleischspieße, Spaghetti-Omelett, frittierte Kartoffeln oder Kochbananen. Wir nehmen Kartoffeln und Spaghetti-Omelett. Das ist Ei mit etwas Spaghetti und natürlich Maggi-Würfel in der Pfanne gebacken. Dazu gibt es Bier, wie immer aus 0,65 Liter-Flaschen.
Auf der Suche nach einer guten Bar landen wir in einer Kabarett-Bar, wie die Kameruner es nennen. Dort wird unter englischer und französischer Moderation eine Tanzshow aufgeführt, an der sich die Besucher beteiligen können.

Mit meiner Jeans und Fleecejacke bin ich ziemlich unpassend gekleidet. Jeder hier ist schick und vor allem westlich gekleidet. Manchmal ist es sehr lustig, denn viel Secondhand-Ware kommt aus Deutschland. So kann man T-Shirts mit der Aufschrift „Bademeister Bad Schönau“ oder „Ich Chef – du nix“ sehen, deren Besitzer natürlich denken, welch teure Markenkleidung sie haben.

Die Musik ist typisch kamerunisch. Es ist die gleiche Musik, die man von morgens um sechs bis nachts in allen Straßen und aus allen Häusern hört. Es sind Lieder auf Französisch, Englisch oder Pidgin (das ist eine hier sich neu entwickelte Sprache. Die Grundlage ist Englisch mit stark vereinfachter Grammatik und Wortschatz und Einflüssen aus allen erdenklichen afrikanischen Sprachen sowie ein bisschen Deutsch). Jedem Lied liegt, wie ich es empfinde der gleiche afrikanische Rhythmus zugrunde. Schnelle Rhythmen sucht man vergebens.

Am nächsten Morgen gönnen wir uns ein ausgiebiges Frühstück. In Bamenda gibt es einen Bäcker, der Croissants und Baguette verkauft. Der französische Einfluss ist hier schon ausgeprägter. Zum Glück, denn so haben wir eine Abwechslung zum süßen Brot in Kumbo.
Zum Frühstück gibt es also Baguette, Croissants, Papaya und Bananen mit Tartina, das ist das kamerunische Nutella. Dazu gibt es Kaffee, natürlich aus der Region.

Danach erkunden wir die Stadt. Als erstes wird der Supermarkt besucht, wo man sofort merkt, dass man in einer Großstadt ist. Der Supermarkt selbst ist zwar nur so groß wie der IK in Kiedrich, aber man kann sogar Deo oder Knorr-Tütensuppe kaufen. Die Produkte sind auch günstiger als in Kumbo. Man muss den Transport über vier Stunden Schotterpiste nicht mitbezahlen.

Dann gehen wir auf den großen Markt, wo man echt alles kaufen kann, was man in Kamerun so bekommt. Wir können uns als Touristen bewegen, weil einen nicht jeder kennt. Trotzdem bekommt man aber von allen Seiten „White man! What do you want? Nice Shoes!“ hinterher gerufen.



Schuhe über Schuhe!


Ich werde mit der traditionellen Kopfbedeckung, die man hier in der Region trägt ausgestattet: Ein schwarzes Käppchen, das alle traditionsbewussten Männer hier tragen. Wenn man eine rote Feder daran stecken hat, ist man ein "Shey". Das ist ein Titel, der einem vom Fon verliehen wird. Dann ist man eine Art Berater des Fon. Bin ich aber nicht. Der Fon ist eine Art König, der das moralische Oberhaupt eines Fontums ist.

Große Sehenswürdigkeiten gibt es in Bamenda nicht. Wir machen uns zu Fuß zurück zu unserer Unterkunft. Dabei laufen wir eine Stunde durch die Stadt und lassen die Eindrücke auf uns wirken. Es ist ungewohnt warm in Bamenda, obwohl es nur ein paar Grad sind. Aber da die Sonne scheint kommt man ganz schön ins schwitzen. Und ich habe natürlich nur lange Hosen dabei, weil ich die Temperaturen in Kumbo gewohnt bin.

Zwei Sachen, die ich einfach fotografieren musste: Ein Fußballplatz, durch den ein keiner Bach läuft und auf dem Schafe weiden.
Und das erste wilde Tier, das wir sehen: eine grüne Schlange (Straßenkunst)

Wir essen gegrillte Maiskolben und probieren das erste Mal Zuckerrohr. Dazu braucht man echt gute Zähne. Man muss erst einmal die Rinde abbeißen und kann dann das Mark aussaugen. Und dann sagt Louis, dass wir das Zuckerrohr bitte nicht auf die Straße spucken sollen. Hallo! Die Kameruner schmeißen hier alles einfach so in die Landschaft ob Plastik, Metall oder Bananenschalen - macht keinen Unterschied. Zuckerrohr dagegen ist wenigstens biologisch abbaubar. Das ist wohl eine Logik für sich.
Zuckerrohr ist richtig süß und danach klebt alles. Wir schaffen alle höchstens die Hälfte zu essen.

Im Zimmer warten wir den nachmittäglichen Regen ab und machen uns abends auf, etwas zu essen zu finden. Es gibt diesmal Fisch. Ja, ich teile mir auch einen Fisch mit Mona. Ein ganzer ist dann doch zu viel. Aber ich lutsche die Krähten nicht so fein säuberlich ab wie die Kameruner. Ruth ist schon ein Schritt weiter. Sie ist bereits die Augen mit.
Der Fisch hier wird auf der Holzkohle, die beim Kochen übrig bleibt, gegrillt und dabei mit einer Kräuterpaste bestrichen. Da der Fisch aus Douala kommt und somit eine Reise durch halb Kamerun hinter sich hat, sollte man ihn mit Vorsicht genießen, aber er schmeckt gut.

Nach dem Essen treffen wir zwei ehemalige Freiwillig, die gerade in Bamenda zu Besuch sind.

Am Sonntagmorgen geht es wieder zurück nach Kumbo. Wir reisen diesmal in einem PKW mit 8 Personen. Das ist hier die normale Anzahl von Leuten, die in ein Auto hineinpassen. Vier Personen auf der Rückbank, zwei auf dem Beifahrersitz und einer teilt sich den Platz mit dem Fahrer. Für eine kurze Taxifahrt ist das ja okay, aber nach zweieinhalb Stunden wird es schon unbequem. Weil es diesen Mittag noch nicht geregnet hat, kommen wir relativ schnell in Kumbo an. Es ist fast wie heimkommen. Man kennt die Umgebung und hört auch wieder Lamnso. Das war in Bamenda schon komisch. Man ist nur ein paar Kilometer gefahren und keiner versteht mehr Lamnso?

Das Wochenende und unseren Ausflug in die Großstadt lassen wir in unserer Stammkneipe in Kumbo ausklingen.

Soweit ein kleiner Urlaubsbericht

Maximilian

Montag, 27. September 2010

Unser Haus und Besuch in Kitwum

Seit einem Monat nun wohnen wir in unserem Haus und haben uns inzwischen gut eingelebt. Weil einige danach gefragt haben, werde ich es hier einmal beschreiben:


Das Haus liegt auf dem Gelände des St. Augustin’s College und ist sehr groß. Also für drei Personen viel zu groß. Gleich wenn man reinkommt ist man in einer Art Wohnzimmer (Man achte bitte auf die kleinen Beistelltischen neben jedem Sessel. Die gibt es hier in jedem Haus). Hier empfängt man seine Gäste. Und Gäste gibt es hier genug. In Kamerun ist es üblich, dass man einfach vorbeikommt, wenn man jemanden besuchen möchte. Es gibt viele, die uns drei „Weißen“ Hallo sagen möchten. In der ersten Woche wurde bereits morgens um sieben Uhr mindestens einmal geklingelt. Nach dem zweiten Tag haben wir nicht mehr aufgemacht und jetzt haben es hoffentlich alle gelernt, dass wir um diese Uhrzeit noch keinen Besuch empfangen.
In Kamerun herrscht ein anderer Rhythmus. Da es um halb sieben dunkel wird und morgens um sechs wieder hell, endet die Nacht nämlich schon um vier oder spätestens sechs Uhr. Dafür gehen auch alle um neun oder zehn ins Bett. Ab drei Uhr wird man bereits mit „Good evening“ begrüßt.
Wir gehen übrigens auch um zehn Uhr schlafen. Durch die Dunkelheit kommt es einem um acht Uhr schon vor wie mindestens elf.
Jeder hat sein eigenes Zimmer. Das ist mein Zimmer:



Dann haben wir zwei Bäder und drei Duschen, eine davon hat sogar warmes Wasser! (Wenn Strom bzw. Wasser da ist) Im Haupthaus befindet sich dann noch ein Esszimmer.

Ja im Haupthaus, denn das Esszimmer liegt zu unserem Innenhof. Das ist ganz praktisch denn hier können wir uns, vor allem die Mädels, auch mal ohne die kamerunische Kleiderordnung (kniefrei) aufhalten und in die Sonne setzten. Aber hier können wir auch unsere Wäsche überdacht trocknen. Wir müssen unsere Wäsche mit der Hand waschen. Dummerweise wird die Kleidung, insbesondere die Hosen, extrem schnell dreckig, weil es eben keine asphaltierten Straßen gibt. Zum Waschen weichen wird die Sachen eine Stunde in einem Waschmittel ein, das man für praktisch alles verwenden kann: zum Beispiel den Boden, die Toilette oder die Fenster zu putzen. Dann wird mit Kernseife geschrubbt bis alles sauber ist (roter Matsch ist extrem hartnäckig).
Wenn alles trocken ist, heißt es bügeln und zwar alles, von der Socke bis zum Bettlaken, denn hier gibt es ein Insekt, das seine Eier auf feuchter Kleidung ablegt. Die Larven werden durch die Körperwärme ausgebrütet und fressen sich dann in die Haut. Wenn sie groß genug sind kommen sie entweder freiwillig raus oder man muss die Stelle mit Vaseline einschmieren. Dann bekommen sie keine Luft mehr und kommen ebenfalls raus. Es ist nicht weiter gefährlich, aber man braucht es auch nicht: Also bügeln wir!


Zum Hof schließt sich unsere Küche an. Wir haben einen Gasherd. Das ist hier nicht sehr verbreitet, denn: „Wozu habt ihr einen Gasherd, da kann man doch gar kein Fufu drauf kochen?“ Deshalb haben wir, wie jedes kamerunische Haus auch eine traditionelle Küche: Drei Meter vom Haus entfernt steht eine kleine Blechhütte, in der eine Feuerstelle ist. Gekocht wird hier normalerweise mit Holz, das auch viel billiger als Gas ist. Die Kameruner schwören auf ihre Art zu kochen: „Der Geschmack ist viel besser als mit der ‚white-man- Methode’“.

Zum Schluss haben wir noch zwei Gästezimmer und einen Raum, der eigentlich leer steht.
Ach ja, und unsere Katze Puka, die quasi mit zum Inventar gehört. Sie hat den Vorbesitzern, einer amerikanischen Familie, gehört und kam gleich am zweiten Tag zu uns. Sie ist übrigens schwanger.

Neben dem Haus haben wir noch unseren Garten, der anfangs mit Mais und allen anderen möglichen Pflanzen überwuchert war. Da wir uns der Lebensweise der Kameruner anpassen und nicht als reiche Europäer alles auf dem Markt kaufen wollen, haben wir uns entschlossen einen Garten anzulegen bzw. zu lernen wie das hier gemacht wird.
Glücklicherweise haben wir den Gärtner des Bischofs kennen gelernt: Tata Edwin. Er zeigt uns wie man in Kamerun gärtnert und besorgt uns die Pflanzen.
Bis jetzt heben wir gepflanzt: Kohl, Zwiebeln, Sellerie, Petersilie und irgendein Blattgemüse, das man wie Spinat kochen kann. Tomaten haben wir schon gesät. Die werden nämlich erst zu Beginn der Trockenzeit gepflanzt, wenn es nicht mehr so viel regnet.

Ach ja, es kam zu einem kleinen, lustigen Missverständnis zwischen uns: Tata Edwin spricht nicht so gut Englisch, jedenfalls sagt er zu uns, dass er für 6000 Francs „Manjo“ für uns kaufen will. Wir denken: Es ist bestimmt interessant Maniok anzupflanzen, gut kaufen wir Maniok.
Zwei Tage später klingelt es auch morgens um sieben Uhr und Tata Edwin steht mit einem Sack vor der Tür. Er sagt, dass „Manjo“ müsse gewässert werden und dürfe nicht austrocknen. Der Inhalt des Sackes wird also in die Regentonne geschüttet. Da kommt bestimmt bald der Maniok rein, der braucht es nass, so unsere Schlussfolgerung.
Am nächsten Morgen kommt noch ein Sack und wird in der Regentonne gewässert. Am Nachmittag dann verteilen wir das „Manjo“ im Garten und allmählich wird uns klar: „Manjo“ ist nicht das wofür wir es halten; „Manjo“ ist Ziegendung.
Letztendlich haben wir für 6000 Francs Ziegenscheiße im Garten und keinen Maniok. Das ist aber auch okay.


Als nächstes will Tata Edwin uns noch einen Zaun bauen. Denn die überall freilaufenden Ziegen, Schafe und Hühner sind eine ständige Gefahr für unsere Pflanzen.

Am Sonntag waren wir zu Besuch im Dorf von Tata Edwin. Es heißt Kitwum und liegt eine Stunde von unserem Haus entfernt.
Es ist Sonntag und natürlich werden wir zu Messe eingeladen. Diese ist nur bereits um sieben Uhr (wie die meisten Gottesdienste sonntags). Daher werden wir um fünf Uhr von einem freudestrahlenden Tata Edwin abgeholt, um rechtzeitig im Dorf zu sein.
Zu Fuß geht es los. Es ist stockdunkel, nur die Sterne leuchten über uns (es ist ausnahmsweise nicht bewölkt). Die anfangs breite Straße wird zu einem Trampelpfad, der durch Maisfelder und kleinen Wäldchen führt. So wandern wir in den Morgen und es begegnen uns erstaunlich viele Leute für die Uhrzeit.
Kurz nach sechs kommen wir am Haus von Tata Edwin an. Dort werden wir von seiner Familie begrüßt und es gibt für uns Tee, der eigentlich wie flüssiger Honig schmeckt, weil er so stark gesüßt ist. Das Haus ist, wie die meisten Häuser hier, aus getrockneten Lehmziegeln mit einem Wellblechdach gebaut. Die Einrichtung des Wohnzimmers lässt darauf schließen wie reich eine Familie ist. Normalerweise wird hier alles präsentiert, was als Statussymbol gilt, zum Beispiel läuft immer der Fernseher, wenn man eingeladen ist. Im Wohnzimmer von Tata Edwin, das von einem winzigen Fenster beleuchtet wird, gibt es einen Tisch, zwei Bänke und einen Stuhl aus Bambus, das hier günstigste Holz. Hier also lebt Tata Edwin mit seiner Frau und sieben Kindern.
Er hat uns von seiner Arbeit erzählt. Er arbeitet sechs Tage die Woche sieben Stunden als Gärtner des Bischofs. Dafür bekommt er 20000 Franc (31€) im Monat. Morgens läuft er eine Stunde nach Kumbo und mittags wieder zurück. Nachmittags arbeitet er auf seiner eigenen Farm. Er bemüht sich für alle seine Kinder das Schulgeld aufzubringen, denn er selbst hat nur zwei Jahre die Schule besuchen können und musste danach auf den Feldern arbeiten. Seine Frau spricht gar kein Englisch und ich vermute, dass sie nie eine Schule besucht hat.

Die Messe beginnt um sieben Uhr. Die anfangs recht leere Kirche füllt sich im Laufe des Gottesdienstes bis auf den letzten Platz. Es ist erstaunlich, wie die Afrikaner singen können. Alles auswendig und vor allem mehrstimmig. Ein Chor von Frauen und Männern in den ersten 10 Bänken fungiert als Vorsänger. Ganz vorne steht eine Frau, die sowohl den Chor als auch die Gemeinde dirigiert. Es scheint als ob jeder seine eigene Stimme komponiert und sich damit lautstark integriert, sodass die gesamte Kirche mit über 500 Menschen wie ein riesiger Chor klingt. Zum Rhythmus der Trommeln und Xylophone wird getanzt. Die ganze Gemeinde schwingt von rechts nach links, von einem Bein aufs andere. Dabei muss man einfach mitmachen, weil man mangels Platz in die jeweilige Richtung gedrückt wird. Das Tempo ist jedoch sehr gemächlich.
Die Sprache im Gottesdienst ist die in und um Kumbo Musikinstrumente
gesprochene Sprache Lamnso. Das Evangelium und die Fürbitten werden in Englisch gehalten und die Wandlung vollzieht der Priester auf Latein. Somit können wir immerhin etwas verstehen.
Nach der Messe treffen sich die Gemeindemitglieder in einer größeren Halle in Gesellschaften. Es gibt zum Beispiel welche für Frauen, für Männer und für die Jugend. Hier tauscht man sich aus, redet über Probleme oder bevorstehende Ereignisse und natürlich wird Palmwein getrunken.
Wir waren zur Gesellschaft des Chores eingeladen, weil Tata Edwin dort Mitglied ist. Wir wurden vorher instruiert unsere eigenen Becher mitzubringen und dann gibt es für jeden aus dem zehn-Liter Kanister reichlich Palmwein. Um auf eine Frage einzugehen: Nein, es gibt keinen Vergleich zu Wein aus Trauben (Rheingauer Riesling schmeckt natürlich viel besser). Palmwein schmeckt säuerlich süß, hefig, eben wie gärender Palmsaft.
Palmwein soll sehr gesund sein. Besonders für Kinder und stillende Mütter wird er empfohlen (vermutlich wegen der farblichen Ähnlichkeit mit Milch). Es gibt Männer, so haben wir uns sagen lassen, die niemals Wasser trinken, sondern nur Palmwein. Es sei auch so einfach: man stelle morgens einen Kanister unter die Palme im Garten und am Abend hat man den fertigen Palmwein.
Es gibt allerdings noch etwas anderes zu trinken: Schar. Das ist Maisbier. Die Bestandteile sind, glaube ich, Maismehl und Wasser, was zusammen vergoren wird.
Der Geschmack erinnert an Kuhstall bzw. Maissilage. Palmwein schmeckt besser.
Für jeden gibt es noch einen gekochten Maiskolben zu essen. Wir werden begrüßt und stellen uns natürlich auch vor. Es wird geklatscht und alle freuen sich, dass wir da sind. Sämtliche Leute wollen uns die Hand schütteln und sind entzückt, wenn wir auf Lamnso antworten.

Danach besichtigen wir die Primaryschool und das Health-Center von Kitwum. Dabei erzählt Tata Edwin uns bestimmt hundert Mal, dass die Wasserleitung von Kitwum von der Deutschen Regierung finanziert wurde und welch eine Ehre es sei, dass wir nun in Kitwun sind (als ob wir die Wasserleitung höchst persönlich verlegt hätten.)
Das Health-Center ist die erste nichtkirchliche aber trotzdem gut ausgestattete Einrichtung, die wir besichtigen.
Eine Krankenschwester führt uns herum und erklärt uns alles. Wir sindjedoch überrascht, dass keine Patienten in den Betten liegen.

Zum Abschluss gibt es im Haus von Tata Edwin Kartoffeln zu essen, die seine Frau zubereitet hat.Es beginnt, wie meistens nachmittags, zu regnen und wir machen uns kurz darauf auf den Heimweg.

Viele Grüße
Maximilian

Freitag, 27. August 2010

Arbeit im Family Life Office und die Aidsproblematik

Am Freitagmorgen um acht Uhr habe ich mit meiner Arbeit im Family Life Office in Kumbo angefangen. Zuerst einmal wurde mir durch Erklärungen und Informationsmaterial das Programm vorgestellt, was eigentlich Family Life ist. Unter anderem kümmert sich das Family Life Team um allein stehende Eltern/Mütter, Aids-Kranke, arme Familien, Drogenabhängige. Aber vor allem Beratungs- und Aufklärungsarbeit bezüglich Familienplanung, Schwangerschaft etc. gehören zum Alltag. Das ist in einem Land, in dem Themen wie Sex ein absolutes Tabu sind, auch sehr wichtig und sinnvoll. Da es sich um eine katholische Einrichtung handelt, werden natürlich die christlichen und teils sehr konservativen Ansichten zum Beispiel bezüglich Abtreibung vertreten.
Ein Projekt, wie allein erziehenden Eltern geholfen wird, möchte ich hier anführen. Sie haben die Möglichkeit Gemeinschaften zu bilden ab 30 Mitgliedern, denen ein Kapital von 300000 Francs (460 Euro) zur Verfügung gestellt wird. Mit diesem Geld können die Mitglieder gemeinsam kleine Geschäfte aufbauen. Zum Beispiel eine Farm betreiben und Produkte wie Palmöl herstellen und verkaufen. Der Gewinn wird am Ende des Monats unter den Mitgliedern aufgeteilt.
Es ist moeglich, dass die Mitglieder von dem zur Verfügung gestellten Geld einen Kredit bekommen (kleinere Betraege von 500 bis 5000 Francs), was allerdings innerhalb drei Monate wieder zurueckgezahlt werden muss mit einem Zins von 25 Francs pro 1000 Francs. Dies soll dazu dienen, dass nicht leichtfertig Geld geliehen wird. Jedes Mitglied ist dazu angehalten von dem erwirtschafteten Gewinn monatlich Ruecklagen zu bilden. In bestimmten Fällen, wie zum Beispiel Krankheit, können die Mitglieder auf dieses Geld zurückgreifen und einen Arztbesuch bezahlen. Insgesamt soll das Kapital der Gemeinschaft wachsen, sodass es moeglich wird auch groessere Kredite und Anschaffungen zu gewaehren.
Jede Gemeinschaft bestimmt ein oder zwei „Leader“, die über sechs Monate vom Family Life Office ausgebildet werden. Danach sind sie für die Gemeinschaft und die Verwaltung des Geldes verantwortlich. Monatlich müssen sie über die Tätigkeiten und finanziellen Bewegungen einen Bericht abgeben. Die Gemeinschaft ist somit für sich selbst verantwortlich und autonom in ihren Entscheidungen. Die Mitarbeiter des Family Life Teams haben nur eine unterstützende bzw. Kontrollfunktion.
Im Family Life Office in Kumbo gibt es neun Mitarbeiter. Es ist sozusagen das Hauptbüro im Bistum und deshalb für die Koordination bzw. Ausbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter zuständig. In den Gemeinden werden die Arbeiten nämlich hauptsächlich von Gemeindemitgliedern ehrenamtlich geführt.
Am Samstag geht es zusammen mit dem Direktor des Family Life Office und einer Mitarbeiterin früh um sieben Uhr von Kumbo aus los in ein Dorf namens Djottin.
Dort findet ein Treffen der Family-Life-Mitarbeiter in den Gemeinden um Djottin statt. Ich fange mal mit der Hinfahrt an, denn wie ich vielleicht schon erwähnt habe: Es ist Regenzeit. Große Straßen wie von Bamenda nach Kumbo sind ja noch befahrbar, aber sobald es in abgelegene Dörfer geht, wünscht man sich einen deutschen Feldweg. Dabei hatten wir einen der besten Geländewagen, die Kumbo zu bieten hat. Die Straße besteht aus rotem Lehmboden mit riesigen Schlaglöchern und ausgefahrenen Spurrillen. Da es am Morgen geregnet hat, war es natürlich besonders rutschig. Aber dank des Allradantriebs des Autos und des Talents unseres Fahrers kamen wir gut voran.
Wir sind nur einmal stecken geblieben! Doch da diese Stelle den Einheimischen schon bekannt ist, waren sofort ein paar Männer da um uns wieder freizuschaufeln (gegen einen kleines Trinkgeld versteht sich). Die Straße ist sogar für kamerunische Verhältnisse schlecht. Schließlich wurde beschlossen nach Djottin nur noch in der Trockenzeit zu fahren.
Die Landschaft ist wunderschön! Besonders, wenn kurz nach Sonnenaufgang, die Sonnenstrahlen durch die Nebelschwaden auf die Blätter der Bananenstauden fallen. Die Gegend ist sehr gebirgig. Alle paar hundert Meter stürzen Wasserfälle in grüne Palmenhaine. Die Region ist nicht sehr dicht besiedelt, aber trotzdem sieht man rechts und links viele Frauen emsig auf den Plantagen arbeiten. Djottin liegt etwas tiefer als Kumbo und deshalb ist es wärmer. Bananen wachsen hier sehr gut. Wir schlängeln uns also durch die grünen Bananenplantagen immer näher unserem Ziel entgegen.
Um halb neun kommen wir in Djottin an. Außer uns ist natürlich noch niemand da (Das Treffen hätte um acht Uhr beginnen sollen). Aber somit haben wir Zeit uns mit dem Pfarrer von Djottin zu unterhalten. Man merkt sofort, dass der Lebensstandart der Menschen hier niedriger ist als in Kumbo.
Gleich zu Beginn fällt mir, dass vor einem Haus eine große Menschenmasse steht und wartet. Was das bedeutet wird mir im Gespräch mit dem Direktor des Family Life Office klar: Es ist das Zentrum einer amerikanischen NGO (nicht staatliche Hilfsorganisation). Diese Organisation hat ein Projekt „Food for Children“. Familien mit Kindern können sich dort kostenlos einmal in der Woche Reis abholen. Soweit ja ganz logisch: Die armen Kinder bekommen da zu essen.
Aber die andere Seite bzw. die Missorganisation ist, dass der Reis aus Amerika kommt. Der Reis wird in Amerika eingekauft und für mehrere Millionen nach Djottin transportiert.
Das Kontroverse ist: In Kamerun, insbesondere im Nord-Westen wachsen alle erdenklichen Lebensmittelarten: Von Kartoffel über Bananen bis hin zu Reis! Die Reisfelder sind keine 50 Kilometer von Djottin entfernt und dennoch wird amerikanischer Reis verteilt. Im Nord-Westen Kameruns gibt es keinen Lebensmittelmangel. Ganz im Gegenteil können die Farmer der Region ihren eigenen Reis nicht mehr verkaufen, weil die Konkurrenz zu amerikanischen Reis zu groß ist. Den gibt’s ja umsonst.
Das Family Life Office und das Bistum kümmern sich auch um Farmer, die zu arm sind um ihren Kindern das Schulgeld zu bezahlen.
Da muss man fragen, ob Entwicklungshilfe, wie es von uns genannt wird, in dieser Form wirklich einen positiven Effekt hat oder die einheimischen Märkte kaputt gemacht werden?
Um halb zehn können wir endlich beginnen (wenn auch noch nicht alle da sind). Die meisten Anwesenden sind ehrenamtliche Mitarbeiter aus den umliegenden Gemeinden und sie berichten über ihre Arbeit der letzten Monate. Dadurch kann ich einen guten Einblick in die laufenden Aktivitäten bekommen. So wird berichtet für welche und wie viele Kinder das Schulgeld bezahlt wurde (in einer Gemeinde für 250 Kinder!), welche Probleme es im Einzelnen gibt, z.B. mit Aids-Kranken. Es gibt ein Programm, das Aids-Kraken ermöglicht, in Gemeinschaften zusammenzukommen, aber vor allem ihnen näher zu bringen, dass ein Leben mit Aids nicht vollkommen hoffnungslos und sinnlos ist. Ein wichtiger Faktor bei allem ist das Beten. Das kann man sich in Deutschland gar nicht vorstellen, aber gemeinsames Beten, Singen, Bibelteilen ist hier sehr wichtig. Die Religion hilft den Menschen, neue Kraft und Hoffnung zu schöpfen.
Es ist beeindruckend mit wie viel Leidenschaft alle ihre Tätigkeiten ausführen. Nach jedem Report werden Rückmeldungen gegeben, Probleme diskutiert und Verbesserungsvorschläge gemacht. Somit war das Treffen sehr interessant und abwechslungsreich, wenn auch das afrikanische Englisch von einigen teils schwer zu verstehen war. Ein Großteil der Gelder zur Fananzierung der Projekte stammt übrigens aus dem Bistum Limburg.
Dann muss ich doch noch vom Essen berichten: Während des Treffens gab es Erdnüsse, das heißt frische Erdnüsse. Die gibt es in Kamerun an jeder Ecke und vor jedem Haus zu kaufen. Ich denke also, wer weiß wann es wieder etwas zu essen gibt, die Kameruner kauen auch kräftig, also lange ich mal kräftig zu. Es schmeckt schließlich gut (ganz anders als getrocknete Erdnüsse).
Aber wir sind in Kamerun. Nach dem Treffen gibt es erst einmal was zu essen. Entweder sind die Portionen außerhalb Kumbos noch größer oder man will sich nicht nachsagen lassen, dass jemand hungrig hinausgeht. Es gibt Fufu-Corn und Njama-Njama, das für die Region um Kumbo typischste Gericht. Fufu besteht nur aus Maismehl (ohne Gewürze), das mit Wasser über offenem Feuer zu Brei gekocht wird. Das ganze wird in Plastiktüten portioniert, wo es zu einem sehr großen Kloß zusammenklebt.
Njama-Njama ist ein spinatähnliches, leicht bitteres Blattgemüse. Gegessen wird, indem man in der rechten Hand ein Stück des Fufu-Kloßes zu einer kleineren Kugel rollt und die sich mit ein bisschen Njama-Njama in den Mund steckt. Es schmeckt gut und ist vor allem sehr, sehr sättigend. Man muss seinen Magen wohl erst trainieren, um solche Mengen Fufu hineinzubekommen. Ich habe es als letzter geschafft meinen Fufu-Kloß aufzuessen (obwohl ich als erster bekommen habe).

Njama-Njama auf dem Feld und das fertige Gericht
Nachdem ich mir den letzten Brocken Fufu reingezwängt habe, gibt es noch etwas zu trinken, natürlich Export „33“. Das ist die kamerunische Biersorte schlechthin; es schmeckt auch ganz gut. Allerdings gibt es das Bier hier nur in 0,65 Literflaschen. Ich muss also in meinen sowieso schon überfüllten Magen noch 0,65 Liter Bier hineinpumpen. Die Kameruner haben aber Verständnis und warten auf mich. Irgendwann würde aus mir noch ein richtiger Kameruner werden.
Die Rückfahrt ist genauso interessant wie die Hinfahrt. Immer wieder halten wir an und kaufen ein: Bananen, Kohl, Njama-Njama. Denn hier ist alles viel billiger als in Kumbo direkt. Zum Beispiel bezahlt man in Kumbo für ca. 16 Bananen 300 Franc (50 Cent), hier habe ich sie für nur 50 Franc (9 Cent) gekauft.

die Berge und einer der unzaehligen Wasserfaelle

die Strasse aus dem Auto aus photographiert
Am Montag, dem 23. August, sind wir in einer Art Berufsschule für Schneiderinnen. Dort werden zur Zeit 28 Mädchen in Nähen und Kleidungsdesign ausgebildet. Zusammen mit Stephen aus dem Family Life Office fahre ich dorthin, wo wir zwei Stunden einen Vortrag über HIV/Adis halten. Angefangen damit, was HIV ist, wie die Krankheit verläuft, wie man sich infiziert, wie man sich davor schützten kann, was ein Aids-Test ist und dann auch wie man sich gegenüber Aids-Kranken verhalten soll.
Dabei bin ich sehr überrascht, wie sachlich die Themen behandelt werden. Es steht nicht die katholische Lehre im Vordergrund. So wird auch das Kondom von Stephen als Mittel der Aids-Prävention angeführt. Aber andererseits beleuchtet er kritisch die Problematik: Wegen der ohnehin schlechten Qualität der Kondome in Afrika, welche durch Lagerung bei hohen Temperaturen und UV-Strahlen noch verschlechtert wird, kann vom Kondom keineswegs als sicheres Verhütungsmittel geschweige denn als Schutz vor einer Aids- Infektion gesprochen werden. Die einzige wirksame Möglichkeit sich vor Aids zu schützen ist also kein Sex zu haben. Die Mädchen sind sehr interessiert und stellen viele Fragen. Insgesamt ist die Veranstaltung sehr erfolgreich.
Aufklärung über Aids ist wichtig, denn es existiert sehr viel Irrglaube über das, was Aids ist, weil zu wenig offen darüber gesprochen wird.
Die Aids-Rate wird auf mindestens 32% geschätzt!
Das Problem ist insbesondere in Kumbo sehr groß, weil hier eines der besten Krankenhäuser Westafrikas ist. Deshalb kommen täglich viele Kranke nicht nur aus Kamerun und natürlich auch Aids-Kranke. Durch Prostitution verbreitet sich der Virus sehr schnell. Prostitution ist oft der einzige Ausweg fuer vollkommen Mittellose an Geld yu kommen. Im Family Life Office sagen sie, dass es in fast jeder Familie einen HIV-Infizierten gibt. Jeder zweite Todesfall hat vermutlich Aids zur Ursache. Wenn nun ein Elternteil oder beide sterben oder zu krank sind um zu arbeiten, können auch die Kinder nicht mehr richtig versorgt werden, geschweige denn in die Schule gehen. Es gibt hier sehr viel allein stehende Mütter und Waisen. Aids ist also eine der Hauptursachen für Armut.
Die Mitarbeiter im Family Life Office sind eigentlich machtlos, denn was können sie anderes tun als über Aids aufzuklären und sich um die Hinterbliebenen der Aids-Opfer zu kümmern?

Am letzten Sonntag war eine „memorial mass“, ein Gedenkgottesdienst in unserer Gemeinde. Eine Frau hat innerhalb der letzten zwei Jahre ihren Mann und ihre drei Kinder verloren. Darüber gesprochen, an was sie gestorben sind, wurde nicht. In der Öffentlichkeit will man nicht über die allgegenwärtige Gefahr sprechen.
Ich wurde gefragt: „Warum hat Gott Aids den Afrikanern geschickt?“ – Bei dieser Frage schwingt der kleine Zusatz mit: „und nicht den Europäern?“ – Die Antwort ist unergründbar, denn es wäre die Antwort auf die Ungerechtigkeit in der Welt.
Im Family Life Office werde ich die nächste Woche arbeiten bis am 6. September die Schule beginnt. Dann werde ich im St. Augustin’s College Mathematik und Deutsch unterrichten, aber weiterhin die Möglichkeit haben bei Aktivitäten im Family Life Team mitzuhelfen.
Viele Grüße Maximilian